Rettung 2.0: Mit smarten Lösungen Notfälle besser meistern

Aufmacherbild: (C) Uni Poznan

Durchschnittlich alle drei Sekunden rücken Einsatzkräfte des Rettungsdienstes irgendwo in Deutschland aus, mehr als die Hälfte der Einsätze gelten einem Notfall – und oft entscheidet die Zeit über Leben und Tod. Je mehr Informationen rund um einen Notfall bereitgestellt werden, umso schneller und zielgerichteter können Ärzte und Sanitäter helfen. Das Gleiche gilt für Krisensituationen: Je mehr Daten miteinander verknüpft und analysiert werden, desto besser lassen sich etwa Unglücke oder Naturkatastrophen meistern. Zwei Forschungsprojekte sind schon im Rettungsalltag angekommen.

Text: René Wagner
Filme: Cornelia Schmid & Sonja Schwaighofer

Bei Notfällen, zu denen Rettungskräfte ausrücken müssen, denken die meisten wohl spontan an Verkehrsunfälle – doch gemessen am Gesamteinsatzgeschehen spielen diese mit 3 Prozent eine eher untergeordnete Rolle. Die Mehrheit der Einsatzfälle (51 Prozent) gab es dagegen etwa bei Verbrechen oder Suizid, gefolgt von internistischen Notfällen mit 34 Prozent. Haus-, Schul- und Sportunfälle hatten einen Anteil von 11 Prozent, Arbeitsunfälle lagen unter 1 Prozent. Diese Zahlen stammen von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), die seit den 1980er-Jahren regelmäßig zentrale Leistungsparameter des öffentlichen Rettungsdienstes veröffentlicht.

Für jeden Notfall gilt: Je schneller die Rettungskräfte zum Einsatzort kommen und je besser vorbereitet sie dort eintreffen, desto besser für alle Beteiligten. Was intelligente Lösungen in diesem Bereich zu leisten imstande sind, wurde erst kürzlich wieder auf der Fachmesse INTERSCHUTZ deutlich. Die Weltleitmesse für die Bereiche Rettungsdienst, Brand-/Katastrophenschutz und Sicherheit findet alle fünf Jahre statt – 2015, 2020 und 2025 jeweils in Hannover.

„Connected Rescue“ als Bestandteil von „Connected Drive“

Eine der dort vorgestellten Lösungen ist die – weltweit einzigartige – Anwendung „Connected Rescue“. Sie stammt vom Softwarehersteller Novato, und wird von BMW als Teil seines „Connected Drive“-Systems vorgestellt. Die Lösung sorgt dafür, dass die Einsatzleitstelle auf direktem Weg mit den Einsatzfahrzeugen kommunizieren kann. Dabei werden alle wichtigen Informationen wie Adresse, Grund des Einsatzes sowie Ansprechpartner für die Rettungskräfte direkt ins Fahrzeug übermittelt.

Clever: Abhängig von der verwendeten Software in der Leitstelle können auch exakte Geodaten des Einsatzortes gesendet werden. So ist zum Beispiel die manuelle Eingabe eines Navigationsziels nicht mehr erforderlich. Bis zu 100 Fahrzeuge lassen sich von der Einsatzzentrale auswählen und einzeln oder zu mehreren gleichzeitig mit Informationen versorgen.

Überdies hat die Forschungsabteilung von BMW noch weitere Ideen in „Connected Rescue“ gesteckt. So lässt sich mit den Detailinformationen etwa auch die Telefonnummer eines Ansprechpartners vor Ort übermittelt, der die Einsatzfahrer dann mit einem Klick anrufen kann. Künftig soll der Informationsaustausch zudem in zwei Richtungen funktionieren, also auch aus dem Auto zurück in die Leitstelle oder in ein Krankenhaus. Und perspektivisch wäre etwa auch denkbar, dass das Fahrzeug am Einsatzort die Rolle eines Kommunikations-Hubs übernimmt, und die Rettungskräfte vor Ort auf diese Weise untereinander vernetzt.

Noch mehr Details zu diesen Konzepten erfahren Sie in diesem dreiminütigen Videobeitrag der Intelligenten Welt:

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Die Vorteile des Systems als zusätzliches Kommunikationsmittel hat ein Praxistest mit dem Deutschen Roten Kreuz in Warendorf bestätigt. Seit Mitte 2014 läuft es hier störungsfrei im täglichen Einsatz.

Flexibles Unterstützungs-System für Krisenfälle

Ein weiteres Highlight auf der INTERSCHUTZ 2015 war die gemeinsame Präsentation der Feuerwehr Hannover mit ihrer Partnerfeuerwehr aus dem polnischen Poznan. Mit dem von der Uni Poznan entwickelten System PROTEUS stellten die beiden Partner ein integriertes mobiles System zur Unterstützung im Krisenfall vor.

Herzstück ist das Mobile Command Center (MCC) auf einem Lkw-Fahrgestell, das mit jeder Menge Telekommunikations- und IT-Equipment ausgestattet ist. Das MCC verarbeitet und analysiert die Daten, die von anderen Systemteilen wie unbemannten Flugzeugen oder Robotern geliefert werden. Nach Auswertung der Daten unterbreitet die Software Lösungsvorschläge zur aktuellen Krisenlage.

Umstaunter Star auf der INTERSCHUTZ war die fast drei Meter lange Drohne des PROTEUS-Systems mit einer riesigen Spannweite von 6,40 Meter. Die Drohne, die bis zu einer Flughöhe von 4000 Metern eingesetzt werden und bis zu 12 Stunden in der Luft bleiben kann, verfügt über eine Tageslicht- und eine Wärmebildkamera, einen Entfernungsmesser, Digitalkameras mit 36-fachem Zoom sowie mehrere Branddetektoren. Mit deren Hilfe kann die Drohne selbstständig Brände erkennen und sogar die jeweilige Art des Brennstoffes bestimmen. Die Drohne soll zum Beispiel Feuerwehren, Polizeieinheiten oder Behörden des Katastrophenschutzes unterstützen.

Ein weiteres Modul von PROTEUS ist ein kleiner Roboter, dessen Hauptaufgabe darin besteht, an Orte zu gelangen, an denen die Gesundheit und das Leben der Einsatzkräfte gefährdet wären. Der Raupen-Roboter kann sich in schwierigem Gelände bewegen und Hindernisse bis zu einem halben Meter Höhe überwinden. Er wiegt nur 50 Kilogramm und ist mit einer Videokamera sowie einer Infrarotkamera ausgestattet. Bei Bedarf kann er zudem mit Geräten für die Entnahme von Boden-, Flüssigkeits- und Luftproben bestückt werden.

Und wenn es darum geht, schwere Lasten zu heben, springen weitere Mitglieder der Roboter-Familie ein. So kann das mittlere Modell dank seines Raupengetriebes sogar Treppen überwinden und mit seinem Teleskoparm in einer Reichweite von zwei Metern bis zu 28 Kilogramm heben. Sein noch größerer Bruder kann Lasten bis zu 40 Kilogramm heben und lässt sich unter anderem mit einer Rettungsschere ausstatten.

Wie diese Komponenten zusammenarbeiten und wie es mit dem leistungsfähigen System nun weitergehen soll, zeigt dieser knapp vierminütige Videobeitrag der Intelligenten Welt:

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PROTEUS soll vor allem bei Naturkatastrophen zum Einsatz kommen, zum Beispiel bei einem Waldbrand, einer Flut oder einem Chemieunfall – immer dann, wenn unterschiedliche Einsatzkräfte wie Feuerwehr, Polizei, Rettung oder auch Militär koordiniert werden müssen und schnell die richtigen Entscheidungen treffen sollen.

Die Forschungsphase dieses Projekts ist abgeschlossen. Nun suchen die Entwickler nach Partnern aus der Industrie, um das System auf den Markt zu bringen.

 

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