Die Mission Innovation Austria Week MIAW präsentiert Vorzeigeregionen zur Energiewende in Österreich.

Wie Vorzeigeregionen bei der Energiewende helfen

Die Mission Innovation Austria Week musste von 2020 auf Ende April 2021 verschoben werden. Doch die Iniatioren, das österreichische BMWK und der österreichische Klima- und Energiefond, sind in der Zwischenzeit online aktiv. Wo sie etwa mit „Vorzeigeregionen“ gelungene Beispiele aus der Praxis präsentieren.

Mit der Mission Innovation Austria Week (kurz: MIAW) wurde vom österreichischen Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) und dem österreichischen Klima- und Energiefonds ein Forum für all jene Menschen geschaffen, die mit der Entwicklung und modellhaften Umsetzung von neuen Technologien und Lösungen den Veränderungsprozess des Energiesystems aktiv mitgestalten. Corona-bedingt musste die Veranstaltung auf Ende April 2021 verschoben werden. Doch in der Zwischenzeit sind Initiatoren und Vorzeige-Projekte online aktiv.  Denn sie alle vertreten die Überzeugung: Wenn die Energie-Wende mit smarten digitalen Mitteln gelingen soll, dann braucht es Praxis und Mut zur Umsetzung.

Drei Vorzeigeregionen präsentieren sich als Beispiel für ein solches praktisches Engagement. Christian Spanik stellt zwei von ihnen in dieser Spezial-Ausgabe des Video-Formats 09:59 näher vor:

Wer lieber lesen möchte, statt sich das rund zehnminütige Video anzuschauen, findet die Inhalte daraus auch im folgenden Artikel.

Im Video-Gespräch bewertet Theres Vogel, Chefin des österreichischen Klima- und Energiefonds die Bedeutung der Vorzeigeregionen: „Diese Projekte sind wirklich eine Speerspitze der Innovation. Es handelt sich um großvolumige Projekte, bei denen es nicht nur um Forschung und Entwicklung geht, sondern auch darum, die Treibhausgas-Wirkung oder das Konzept ,Energie erneuerbar‘ auf den Boden zu bringen.“ Zudem habe man im Rahmen dieser Projekte mit Menschen zu tun, die an diese Zukunft glauben und sie auch leben. Das gelte für alle hier vorgestellten Projekte:

Energiewende für industrielle Anwender: NEFI – New Energy for Industry

Professor Thomas Kienberger leitet an der Montanuniversität Leoben das Institut für Energieverbundtechnik. Der Experte für Energiesysteme findet Lösungen dafür, wie Energienetze auch mit einem hohen Anteil an erneuerbarer Energie stabil und sicher funktionieren können. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Zusammenarbeit mit Industrieunternehmen und anderen Marktteilnehmern. Professor Kienberger ist Mitinitiator der Energie-Vorzeigeregion NEFI – New Energy for Industry.

Professor Thomas Kienberger leitet an der Montanuniversität Leoben das Institut für Energieverbundtechnik und ist Mitinitiator der Vorzeigeregion NEFI – New Energy for Industry
Professor Thomas Kienberger leitet an der Montanuniversität Leoben das Institut für Energieverbundtechnik und ist Mitinitiator der Vorzeigeregion NEFI – New Energy for Industry

Diese Vorzeigeregion beschäftigt sich gezielt mit der Dekarbonisierung der Industrie. Den das Industrie-Segment benötigt rund ein Drittel der gesamten Endenergie-Aufwendungen in Österreich. Da die österreichische Regierung das Ziel definiert hat, bis 2040 eine vollständige Dekarbonisierung zu erreichen, haben Industrieprojekte einen entsprechenden Hebel. „Nicht nur auf Anwendungs-Seite, sondern auch auf der Technologieseite“, betont Professor Kienberger. Und stellt einen weiteren Benefit in Aussicht: „Wenn wir das richtig machen, führen die entwickelten Technologien auch zu verstärkten Exporten in diesem Bereich.“

Zur Umsetzung brauche es eine Reihe von Stakeholdern – Energie-Anwender auf der einen Seite, Technologie-Lieferanten auf der anderen. Für Industrieunternehmen läge die Motivation darin, den industriellen Standard in Österreich zu sichern – und auch neue Geschäftsmöglichkeiten im Umfeld der Energiewende zu entwickeln. Auch Energieversorger und natürlich auch Forscher sind in die Einzelprojekte involviert. Einen Überblick finden Interessenten auf der Webseite der Vorzeigeregion NEFI.

„Energieverbraucher im industriellen Umfeld nehmen diese Chance für künftige Märkte wahr“, resümiert Professor Kienberger. „Unternehmen, die verstanden haben, dass diese Märkte in der Zukunft zu bespielen sind, sehen auch gesetzliche Auflagen und Änderungen durchaus entspannt. Ich bin überzeugt, dass dieser große Bereich dem Ziel der Dekarbonisierung durchaus positiv gegenübersteht.“

Green Energy Lab: Innovationslabor für Nachhaltigkeit

Das Green Energy Lab ist ebenfalls eine der drei österreichischen Vorzeigeregionen, die vom Klima- und Energiefonds unterstützt werden. Es will neue Ideen für eine nachhaltige Energiezukunft bereits heute zum Leben erwecken. Mit Christian Spanik sprach die Vorständin des Green Energy Lab, Raphaela Reinfeld.

Raphaela Reinfeld, Obfrau und Sprecherin der Vorzeigeregion Green Energy Lab
Raphaela Reinfeld, Obfrau und Sprecherin der Vorzeigeregion Green Energy Lab

Im Rahmen dieses Projekts haben sich gleich vier Träger-Organisationen zusammengefunden – alle von der Überzeugung geleitet,  dass die Energiewende niemand alleine schafft: Wien Energie, EVN, Energie Steiermark und Energie Burgenland. Die gemeinsame Initiative hat das Ziel, kundenzentrierte Lösungen für die nachhaltige Energiezukunft so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen. Der große Vorteile des Green Energy Lab ist dabei, dass das Projekt auf fünf Millionen Energienutzer beziehungsweise Endkunden zurückgreifen kann. Sie befinden sich schwerpunktmäßig in der Ostregion Österreichs und können die im Projekt entwickelten Energielösungen zeitnah praktisch testen.

Derzeit gibt es beim Green Energy Lab drei thematische Schwerpunkte: Speicher-Lösungen, System-Flexibilität mit dem Fokus auf Wärme sowie Energie-Gemeinschaften und -Netze. Um Rahmen einer weiteren Ausschreibung soll künftig noch der thematische Schwerpunkt integrierter Mobilitätslösungen hinzukommen.

„Unser großes Ziel ist, die besten Ideen zusammenzubringen“, beschreibt Vorständin Raphaela Reinfeld die Strategie. „Auf der einen Seite Forscher und auf der anderen Seite Teilnehmer, die die Ideen und Konzepte auch realisieren und testen können.“ Mitmachen könne jeder, der auch Mitglied im sogenannten Innovator Circle ist. „Das ist unser Think Tank, in dem Ideen entstehen und weiter bearbeitet werden“, so Raphaela Reinfeld. „Daran nehmen aktuell rund 200 Partner teil, davon circa 100 in Projekten.“ Teilnehmer könnten etwa Gemeinden und Institutionen, große Industriebetrieb, aber auch Start-Ups oder KMUs sein. Interessierte können sich auf der Homepage des Green Energy Labs anmelden und dann die „Innovator Journey“ mitmachen.

 

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