Die Frequenzauktion für 5G durch die Bundesnetzagentur läuft auf Hochtouren. Wir sprechen über die Rahmenbedingungen.

Mit Hannes Rügheimer im Gespräch: Auf dem Weg zu 5G in Deutschland

Mittlerweile läuft sie auf Hochtouren – die Versteigerung der 5G-Frequenzen in Deutschland durch die Bundesnetzagentur. Unter welchen Rahmenbedingungen findet sie statt, worüber wird hinter den Kulissen weiter gestritten? Über diese Fragen haben Christian Spanik und Hannes Rügheimer in einer Videoschalte gesprochen.

Und auch hier haben Sie wieder die Wahl: Schauen Sie sich den Video-Mitschnitt des Gesprächs an (Laufzeit: rund 4 Minuten) an oder lesen Sie die darunter stehende Text-Version.

Redaktioneller Hinweis: Das Gespräch haben wir bereits einige Tage vor dem Beginn der nun laufenden Frequenzversteigerung geführt.

Intelligente Welt: 5G – Versteigerung, Geld ausgeben und Infrastruktur schaffen. Das sind Buzzwords, die sich zum Teil durchaus widersprechen. Hannes Rügheimer beschäftigt sich viel mit 5G und auch mit den Playern im Markt. Hannes, gib‘ uns mal ein kurzes Update: Wie sieht es aus beim Thema 5G und der Frequenzversteigerung? Welche Fragen stehen im Raum?

Hannes Rügheimer beschäftigt sich viel mit 5G – und somit auch mit der laufenden Frequenzauktion.
Hannes Rügheimer beschäftigt sich viel mit 5G – und somit auch mit der laufenden Frequenzauktion.

Hannes Rügheimer: Im Augenblick wird sehr stark um die Konditionen gestritten. Die Bundesnetzagentur hat einen relativ klaren Katalog aufgestellt, was die Unternehmen, die am Schluss gewinnen und Frequenzen bekommen, erfüllen müssen, um diese Lizenz auch wirklich nutzen zu dürfen. Da sind Punkte dabei wie zum Beispiel dass jeder Betreiber 500 Mobilfunkstationen auf dem flachen Land aufbauen muss – zusätzlich zu denen in Städten und an Autobahnen. Aber da wollen die Anbieter ja sowieso hin, insofern muss dieser Aspekt auch nicht reguliert werden. Dann gibt es bestimmte Prozentsätze wie zum Beispiel dass im ersten Schritt 75 Prozent der Bundesstraßen und Autobahnen versorgt werden müssen. Auch Schienen und Wasserstraßen sind mit dabei. Aber das alles ist gar nicht so sehr der Knackpunkt. Worum sich der Streit vor allem entzündet, ist das Thema National Roaming.

Streit-Thema: National Roaming bei 5G

Intelligente Welt: Was heißt National Roaming? Man kennt das Thema ja EU-weit, aber hier ist etwas anderes gemeint…

Hannes Rügheimer: Ja, der Begriff National Roaming meint, dass die Betreiber verpflichtet werden, an Orten, wo sie 5G-Netzabdeckung anbieten können, aber ihre Mitbewerber nicht, diese Mitbewerber beziehungsweise deren Kunden in das Netz herein zu lassen. Ein Beispiel: Irgendwo hat die Telekom ein Gebiet versorgt, aber Vodafone nicht. Dann kann dort ein Vodafone-Kunde das Telekom-Netz nutzen – das wäre National Roaming.

Intelligente Welt: Und das wollen die Anbieter aber nicht.

Hannes Rügheimer: Dagegen wehren sich alle drei mit Händen und Füßen – beziehungsweise in Zukunft möglicherweise alle vier. Mit 1&1 Drillisch gibt es ja noch einen weiteren Bewerber, der um die 5G-Frequenzen mit bietet. Die Anbieter argumentieren: Wie stecken doch kein Geld in den Ausbau, damit letzten Endes andere, die vor Ort nicht aktiv sind, dort ebenfalls Versorgung anbieten können. Umgekehrt – und das ist ebenso verständlich – sagen die Bundesnetzagentur und die Bundesregierung, dass dies ein kluger Weg ist, um relativ schnell relativ viel Netzversorgung zu erreichen.

Ist 5G der richtige Mobilfunkstandard für die Versorgung jeder Milchkanne?

Intelligente Welt: Gerne wird ja auch über das Thema Milchkanne diskutiert. Aber Fakt ist doch auch, dass 5G gar nicht überall angeboten werden kann, weil die Menge der Basistationen, die dafür gebraucht würden, viel zu hoch wäre…

Wird 5G an jeder Milchkanne gebraucht? Die Kannen wurden zum Symbol für Probleme beim Mobilfunkausbau im ländlichen Raum.
Wird 5G an jeder Milchkanne gebraucht? Diese provokative Frage der Bundesforschungsministerin Anja Karliczek machte die  Kannen zum Symbol für Defizite beim Mobilfunkausbau im ländlichen Raum.

Hannes Rügheimer: So ist es. Ich glaube vor allen Dingen, dass diese Diskussion an der falschen Stelle geführt wird. Um flächendeckend Mobilfunk anzubieten, ist 5G nicht wirklich der optimale Standard. Dafür wäre eigentlich viel sinnvoller, weiter in den 4G/LTE-Ausbau zu investieren. Denn es kommt noch erschwerend hinzu, dass die Frequenzen, die im Augenblick zur Versteigerung stehen – nämlich 3,6 Gigahertz – eigentlich denkbar ungeeignet sind, um weite Flächen zu versorgen. Dafür wären niedrigere Frequenzen, etwa die bei 700 Megahertz, viel besser geeignet – weil sich solche Wellen viel weiter ausbreiten können.

Intelligente Welt: Es geht also darum, den richtigen Mix zu finden – sowohl bei den Wellen und der Technik als auch bei den Auflagen. Denn ansonsten bekommen wir wieder das alte Problem, dass teure Frequenzen auch zu teuren Mobilfunktarifen führen. Und das wäre wohl gerade bei 5G ziemlich fatal. Danke, Hannes, für die Infos!

 

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