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Landleben 2.0: Smarte Ideen machen Bildung fit für die Zukunft

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Die Welt verändert sich – sie wird zunehmend digital und vernetzt. Doch während die Städte mit der Entwicklung Schritt noch einigermaßen halten, suchen Forscher erst seit wenigen Jahren auch für ländliche Regionen nach smarten Lösungen. Dabei sind hier die meisten Menschen und auch die meisten kleinen und mittelständischen Unternehmen angesiedelt. Dutzende Projekte in allen Bereichen des Alltags wollen Zukunftsfähigkeit und Lebensqualität verbessern – nicht zuletzt im Bereich Bildung.

„Bildung ist die mächtigste Waffe, die wir nutzen können, um die Welt zu verändern“, so sprach einst Nelson Mandela. Aber was ist, wenn sich die Zukunft ändert und die Bildung nicht?

Dieser Denkanstoß stammt von der Videoplattform ununi.TV, die das Internet quasi zur Mitmach-Uni oder Volkshochschule machen will. Ziel ist der Austausch untereinander. Aber auch die Möglichkeit, Geld zu verdienen, wird nicht außer Acht gelassen. Sie entsteht für die Zuschauer ein interaktives Bildungsfernsehen mit einer bunten Palette an Angeboten.

Dieses Projekt ist ein gutes Beispiel für das, was Forscher sich wünschen: ein Bildungsnetzwerk, das Menschen über dezentrale virtuelle Dienste, aber auch über physische „Schnittstellen“ wie Bibliotheken, Schulen oder Events zusammenbringt. So könnte eine neue Lernkultur entstehen, die den Boden bereitet für Innovationen.

Das Bildungsnetzwerk der Zukunft... (C) Internet & Gesellschaft Collaboratory e.V.
Das Bildungsnetzwerk der Zukunft… (C) Internet & Gesellschaft Collaboratory e.V.

„Gerade im ländlichen Raum können so Standortvorteile entstehen, die Bildung vor Ort qualitativ transformieren“, schreibt Dr. Anja C. Wagner in einem Beitrag für den Verein Internet & Gesellschaft Collaboratory e.V., der sich den so genannten „Smart Rural Areas“ widmet und intelligente Lösungen für den ländlichen Raum sucht.

Die Autorin stellt klar: Bildung werde allzuoft mit Aus- und Weiterbildung gleichgesetzt. Doch erst gemeinsam mit einer kulturellen Bildung ermögliche sie eine echte gesellschaftliche Teilhabe der Menschen. Im 21. Jahrhundert müsse damit auch die Teilhabe über das Netz gemeint sein, da über das globale Internet unsere lokale Kultur wesentlich mitgeprägt wird.

Anja C. Wagner gilt als eine der führenden Multimedia-Expertinnen in Deutschland und bezeichnet sich selbst als „Bildungsquerulantin“. Es gebe einige „Bremsklötze“, erklärt sie in einem interessanten Video-Interview des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft:

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Vor vier Jahren hat sie zusammen mit Mitstreitern in Mittel dagegen entwickelt: das eingangs bereits erwähnte ununi.TV. Ins Leben gerufen ohne Businessplan aus einem Hochschulprojekt heraus, wurde es 2013 mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne neu aufgesetzt, um daraus ein tragfähiges Netzwerk-Unternehmen zu machen. „Vernetzten Flow erleben“ lautet die Devise der Macher. Der Eintrittspreis: 197 Euro – dies jedoch für eine lebenslange Mitgliedschaft.

ununi.TV will eine Mitmach-Uni für Erwachsene aufbauen. (C) ununi.tv
ununi.TV will eine Mitmach-Uni für Erwachsene aufbauen. (C) ununi.tv

Das Konzept ist eine Mitmach-Uni für Erwachsene: Wer sich zum Beispiel für Expertenwissen zum Crowdfunding interessiert, kann sich bei ununi.TV vom passenden Experten per Video-Chat die Grundlagen beibringen lassen. „Weniger frontal gesendet, viel mehr kollaborativ entstehend“, erklärt Mitgründer Wolfgang Gumpelmaier. „Es geht darum, wie Leben im 21. Jahrhundert gestaltet werden kann. Mit mehr Fragen als Antworten, denn heute sind gute Fragen die eigentlichen Antworten.“

Doch dies ist nur ein Beispiel für ambitionierte Bildungsprojekte, die sich auf den ländlichen Raum fokussieren.

Die Kopiloten e.V. will junge Menschen für Nachhaltigkeit, Kommunalpolitik und Mitbestimmung in einer demokratischen Gesellschaft begeistern. (C) diekopiloten.de
Die Kopiloten e.V. will junge Menschen für Nachhaltigkeit, Kommunalpolitik und Mitbestimmung in einer demokratischen Gesellschaft begeistern. (C) diekopiloten.de

Der Verein Die Kopiloten e.V., gegründet von Studierenden der Universität Kassel, will ehrenamtliches Engagement mit fachlichem Wissen auf neue Weise miteinander verknüpfen. Die Mitglieder verstehen sich als Flugbegleiter von Bildungsreisen junger Menschen und stellen die politische Bildung im kommunalen Raum in den Mittelpunkt. Ihr Ziel sei es, schreiben sie auf ihrer Webseite, „viele junge Menschen für Nachhaltigkeit, Kommunalpolitik und Mitbestimmung in einer demokratischen Gesellschaft begeistern zu können“.

Onilo.de will neue Perspektiven für das Lernen im Unterricht eröffnen. (C) onilo.de
Onilo.de will neue Perspektiven für das Lernen im Unterricht eröffnen. (C) onilo.de

Das Leseportal Onilo.de, ausgezeichnet mit dem Deutschen Bildungsmedienpreis „Digita 2014“, wird bereits von Schulen, Bibliotheken und Kindergärten erfolgreich eingesetzt. Es will Kinder mit digitalen Medien für Literatur begeistern und neue Perspektiven für das Lernen (nicht nur) im Deutsch-Unterricht eröffnen. Digitalisierte Kinderbücher namens „Boardstories“ ermöglichen Lehrern und Schülern, Kinderbücher über ein Whiteboard oder eine Leinwand gemeinsam zu erleben.
Das Projekt macht aus der Not eine Tugend: „Digitale Medien, die den Schülern teilweise vertrauter sind als traditionelle Medien, dienen so als Schlüssel zur Erschließung von qualitativ hochwertigen Kinderbuchinhalten“, erklärt die Projektseite. Besonders das gemeinsame Lesen biete im ländlichen Raum viel Potenzial für neue Veranstaltungsmodelle.

40.000 Vorleser sind schon für den bundesweiten Vorlesetag am 20. November 2015 angemeldet. (C) Stiftung Lesen
40.000 Vorleser sind schon für den bundesweiten Vorlesetag am 20. November 2015 angemeldet. (C) Stiftung Lesen

Wie groß dieses Potenzial ist, kann man bei vielen Gelegenheiten erleben. So zum Beispiel am 20. November 2015, dem bundes-
weiten Vorlesetag. An diesem Tag lasen gut 40.000 ehrenamtliche „Vorlesepaten“ der Stiftung Lesen Kindern und Jugendlichen in ganz Deutschland vor – darunter wieder an einer Vielzahl von ländlichen  Orten. Der Vorlesetag will ein öffentlichkeitswirksames Zeichen für die Bedeutung des Vorlesens setzen. Auch hier kommen – über das „normale“ Vorlesen hinaus – oft moderne Techniken zum Einsatz. Was Onilo „Boardstories“ nannte, erleben die Kinder vielerorts als klassisches „Hörbuchkino“.

 

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