Uwe Nickl, Geschäftsführer Deutsche Glasfaser Holding, stand uns auf dem Digitalgipfel 2019 Rede und Antwort zum Thema Breitband-Ausbau.

Interview mit Uwe Nickl, Deutsche Glasfaser: Wie geht es weiter mit dem Glasfaser-Ausbau?

Bei unserem Besuch des Digitalgipfels 2019 sprachen wir mit Uwe Nickl, Geschäftsführer Deutsche Glasfaser Holding. Er beschrieb uns, was aus seiner Sicht jetzt beim Glasfaser- und Breitband-Ausbau gut läuft. Aber auch, wo dringend noch Handlungsbedarf besteht, damit der Ausbau noch besser vorankommt. 

Auf dem Digitalgipfel 2019, der am 28. und 29. Oktober 2019 in Dortmund stattfand, sprachen wir mit Uwe Nickl, Geschäftsführer der Deutschen Glasfaser Holding und Co-Vorsitzender der Fokusgruppe Digitale Netze der Digitalgipfel-Plattform
Digitale Netze und Mobilität. Wir wollten von ihm wissen, wo wir beim Glasfaser- und Breitband-Ausbau stehen und was die nächsten Ziele seines Unternehmens sind.

„Ich denke, seit dieser Legislaturperiode haben wir ein klares Commitment zu Glasfaser. Dafür muss man die politische Seite loben“, so Uwe Nickl. Nach seiner Einschätzung hätten alle Unternehmen haben erkannt, dass Glasfaser die Zukunft ist – als Folge fahre jeder Carrier die Kapazitäten nach oben. „Es wurde erkannt, dass wir nicht auf Zwischenschritte wie beispielsweise Vectoring setzen sollten“, platziert der Deutsche-Glasfaser-Geschäftsführer eine kleine Spitze gegen seinen großen Konkurrenten, die Deutsche Telekom.

Deutsche Glasfaser: Ein erfolgreiches Jahr liegt zurück, ambitionierte Ziele für die nahe Zukunft

2019 sei für die Deutsche Glasfaser ein sehr erfolgreiches Jahr gewesen. Das Unternehmen habe im vergangenen Jahr 180.000 bis 190.000 „homes passed“ gebaut. Seine Leitungen führen also an dieser Zahl von Häusern und Wohnungen vorbei – deren Bewohner sind somit potenzielle Kunden für seine Angebote. „Und wir haben uns vorgenommen, auch in 2020 weiter zu skalieren“, führt der Geschäftsführer weiter aus: „Mitte des Jahres werden wir wohl unser ursprünglich geplantes Ziel von einer Million homes passed erreichen.“

Auch für die Zeit danach habe sich die Deutsche Glasfaser neue, ambitionierte Ziele gesetzt. Deren Umsetzung wolle man angehen, sobald dafür ausreichende Planungssicherheit bestehe.

Wo Bürokratieabbau den Breitband-Ausbau unterstützen könnte

Oft werde von der Branche beklagt, dass zu viel Bürokratie den Breitbandausbau hemme – wie er das sehe, wollten wir als nächstes von Uwe Nickl wissen.

„Wir sehen, dass es gerade in der kommunalen Selbstverwaltung noch Informationsbedarf gibt – speziell über mindertiefe Verlegetechniken“, erklärt er und spielt damit auf das sogenannte „Trenching“ an – bei dem mittels Frästechnik oder konventionellen Baggern nur schmale Gräben und Schlitze in Böden beziehungsweise Asphalt eingebracht werden. Diese Verlegemethode beansprucht nur wenig Platz und ermöglicht eine schnelle Fertigstellung von Leerohr- und Glasfasertrassen.

Mit „Trenching", bei dem die Glasfaser nur in geringer Tiefe verlegt wird, lässt sich der Breitbandausbau günster realisieren.
Mit „Trenching“, bei dem die Glasfaser nur in geringer Tiefe verlegt wird, lässt sich der Breitbandausbau günster realisieren. (C) David Wright via Flickr, CC BY 2.0

„Es wäre für alle ausbauenden Unternehmen ein Gewinn, wenn diese Technologie im Markt akzeptiert würde und nicht einzeln diskutiert werden müsste“, betont Nickel. Auf der anderen Seite müsse muss man die Kommunen auch in Schutz nehmen, da manche Ausbauprojekte sehr groß sind. „Da wäre es natürlich hilfreich, wenn die Genehmigungsverfahren vereinfacht würden – aber auch zusätzliche Ressourcen bezuschusst würden, um den in innerhalb der Projektphase geplanten Ausbau zu ermöglichen.“

Wie lassen sich die Rahmenbedingungen für den Glasfaser-Ausbau weiter verbessern?

Was könnte die Bundesregierung noch konkret tun, um den Breitband-Ausbau per Glasfaser weiter zu unterstützen, wollten wir schließlich noch wissen.

Neben einer Verschlankung und auch Digitalisierung der Genehmigungsverfahren sei natürlich auch die Förderung ein heiß diskutiertes Thema, so Uwe Nickl. Mittlerweile habe auch sein Unternehmen zum ersten Mal Fördergelder für FTTB (Fibre to the Building – also Glasfaser bis in den Keller) und FTTH (Fibre to the Home – also bis in die Wohnung) erhalten. Durch den geförderten Ausbau könne die Deutsche Glasfaser ihr Netz weiter verdichten.

Daneben sieht Uwe Nickl Möglichkeiten, die Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen durch die Vergaben sogenannter „Voucher“ weiter zu stimulieren.

Gegen diese Förderungs-Gutscheine bekomme der Endkunde einen bestimmten Förderbetrag, wenn er sich für einen Glasfaseranschluss entscheidet. Damit könne der Kunde seinen Anschluss quersubventionieren, der Durchschnittpreis von Glasfaserprodukten gehe nach unten. „Das steigert die Anreize nicht nur auf dem Land, sondern insbesondere auch in urbanen Gegenden“ ist sich Uwe Nickl sicher.

 

 

 

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