Digitalisierung im Sport: Mit KI und Big Data auf der Überholspur?

Immer schneller, höher, weiter: Mit riesigen Datenmengen, intelligenten Algorithmen und einer Armee an Sensoren sorgt die Digitalisierung im Sport für mehr Erfolge, mehr Gesundheit und auch mehr Zuschauer. Zahlreiche Anwendungen zeigen, dass die Sportwelt ihr anfängliches Zögern bei der digitalen Transformation hinter sich gelassen und in den Angriffsmodus geschaltet hat.

Quelle des Aufmacherbildes: Pixabay.com / Collage

„Nicht digital zu denken, ist keine Option.“ (Stefan Herzog, Generalsekretär des Verbands Deutscher Sportfachhandel)

250.000 Gigabyte – diese unglaubliche Datenmenge liefern Formel-1-Autos mit ihren jeweils über 200 Sensoren in einem einzigen Rennen.

Durch eine Zusammenarbeit der Formel 1 mit Amazon Web Services, wo die Daten in Echtzeit in der Cloud verarbeitet werden, können sich die Fans auf unvergleichliche neue Eindrücke und Analysen freuen: Auf Basis der Cloud-Analysen lassen sich die optimalen Zeitfenster für Boxenstopps und Reifenwechsel berechnen, die Fahrerleistungen mit denen aus früheren Rennen vergleichen, sogar Vorhersagen zu taktischen Manövern der Teams und Fahrer treffen – und das alles während des Rennens, und zum Teil auch live für die Zuschauer.

Neue Einblicke durch hochtechnisierte Sportübertragungen

Ähnliche Konzepte gibt es auch für andere Sportarten. Nicht weniger als revolutionieren will beispielsweise die Sicherheitsfirma AGT International die Art und Weise, wie wir Sportübertragungen verfolgen. Dazu verbindet das Unternehmen Sensordaten zu Mimik, Gestik, Körperhaltung und Herzschlag der Sportler, aber auch zu Temperatur und Druckveränderungen in der Umgebung. Das Ziel ist, den Zuschauer völlig neue Einblicke zu ermöglichen. Sie erfahren dann am TV-Bildschirm zum Beispiel,  wie stark und präzise die Schläge von Kampfsportlern ausfallen.

Selbst die Gefühle der Kämpfer lassen sich visualisieren – bis hin zur Auswirkung der Reaktionen von Fans im Stadion. Mittlerweile ist es sogar möglich, dass KI-Syteme Spielzüge zumindest für wenige Sekunden vollautomatisch vorhersagen.

Oder sie werden in völlig neuartiger Weise dreidimensional dargestellt. Wie das aussieht, zeigt hier ein dreiminütiges Video der Universität von Washington:

Präzise Auswertung von Wettbewerben

Die viel genauere Auswertung von Kämpfen und Wettbewerben kommt auch den Sportlern und Trainern zugute. Zu den bekannteren Beispielen zählen der FC Bayern München und der VfB Stuttgart: Letzterer setzt in einer speziellen Analyseabteilung Big Data ein. Die Bayern wiederum suchen regelmäßig bei „HackDays“ Programmierer und Experten für Data-Mining. Und die Handball Bundesliga GmbH arbeitet intensiv mit dem Datenanalyse-Unternehmen Kinexon zusammen.

Und eine Datenbank des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaften in Leipzig ermöglicht es Judo-Kämpfern, sich auf die Stärken und Schwächen bestimmter Gegner vorzubereiten. In ähnlicher Weise können Skispringer mit Hilfe von 3-D-Scans ihre Körperhaltung verbessern.

Digitalisierung im Sport unterstützt auch die Gesundheit der Sportler

Dadurch wird nicht nur die Vor- und Nachbereitung von im Wettkampf entscheidenden Situationen immer genauer und vielschichtiger. Ebenso lassen sich gesundheitliche Verbesserungen erreichen, zum Beispiel zur Senkung des Verletzungsrisikos. Ermüdung oder Konzentrationsschwächen werden rechtzeitig erkannt und die Sportler oder Betreuer gewarnt.

Mit digitalen Werkzeugen lässt sich aber auch der menschliche Körper für Trainingsimpulse empfänglicher machen. Dieses Prinzip nutzen beispielsweise die den olympischen Skispringer in den USA: Sie tragen den smarten Kopfhörer „Halo Sport“. Er schickt in der Aufwärmphase elektrische Impulse an den Motor-Cortex und regt ihn so an, dass sich Muskelgedächtnis und -aufbau besser trainieren lassen.

Smarter Kopfhörer stimuliert das Gehirn. (C) Screenshot haloneuro.com

Beim DFB wiederum arbeitet man mit VR-Brillen, mit denen Strafstoßsituationen simuliert werden.

Fast 600.000 Deutsche trainieren virtuell

Auch im privaten Bereich wird die Digitalisierung im Sport weiter voranschreiten – nicht nur durch technische Helferlein wie etwa Fitnesstracker, die noch mehr Sensordaten noch besser analysieren können. Der Trend zur Nutzung von Online‐Fitnessstudios verstärkt sich: Waren es Ende 2014 noch 360.000 und ein Jahr später 420.000 registrierte Nutzer, so lag die Zahl der Fitnessbegeisterten, die für ihr Hobby nicht mehr ins Studio gehen, Ende 2016 schon bei 563.000 Deutschen.

Digitalisierung findet sogar bereits im Pferdesport statt. Erst vor Kurzem wurde auf der Messe „Partner Pferd 2020“ eine 3D-Software vorgestellt, die alle anatomisch relevanten Strukturen im Huf eines Pferdes veranschaulicht.

Eine 3D-Anatomie-Software stellt alle anatomisch relevanten Strukturen des Pferdehufes und des Karpalgelenks dar. (C) Screenshot hoofexplorer.com

Mit dem „Equine Hoof Explorer“ lassen sich individuelle Ansichten erstellen und die Wirkungsweise unterschiedlicher Hufeisen visualisieren.

Die Digitalisierung im Sport betrifft auch die Medien

Zum Schluss noch ein Buchtipp: „Die Digitalisierung des Sports in den Medien“ von Thomas Horky, Hans-Jörg Stiehler und Thomas Schierl (384 Seiten, ISBN 978-3-86962-246-0) beleuchtet die gravierende Entwicklung der Digitalisierung in den Medien und ihren Einfluss auf die Sportberichterstattung. Das Buch stellt Beispiele aus der Praxis vor und schildert mögliche Szenarien für die Zukunft.  Themen sind beispielsweise die Virtualisierung von Sportinhalten, der Einfluss auf den Sportjournalismus, Datenjournalismus im Sport, die Mediatisierung des Sports in digitaler Umwelt sowie E-Sport.

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