Vortragende ConCar Expo

ConCar Expo – Disruption trifft vernetzte Autos

Aufmacherbild: (C) Intelligente Welt/ ConCar Expo

Was haben die nächste Mobilfunknetz-Generation 5G, neue Geschäftsmodelle in der Automobilindustrie und das Thema Blockchain miteinander zu tun? Sie spielten die Hauptrolle beim Bühnenmagazin der Intelligenten Welt auf der ConCar Expo in Düsseldorf.

Ende Juni 2016 fand in Düsseldorf die ConCar Expo statt – die internationale Fachmesse für vernetzte Autos und Mobility-Lösungen. Hier konnte Moderator Hannes Rügheimer, Redaktionsleiter der Intelligenten Welt, vier Experten begrüßen und mit ihnen über unterschiedliche Aspekte von Vernetzung und Mobilität sprechen.

5G in Automobilbau und Zulieferindustrie

Was das nächste Mobilfunknetz an Möglichkeiten und Herausforderungen für den Automobilbau und deren Zulieferindustrie bedeutet, beleuchtete Dr. Osvaldo Gonsa, Director Mobile Communications ITS, Continental AG.
Redundante Systeme werden seiner Meinung nach in Zukunft für mehr Sicherheit sorgen. Dabei sollte es keine Rivalität zwischen den verschiedenen Technologien wie WLAN 11p und LTE oder künftig 5G geben. Beide Technologien sollten zusammen genutzt werden.

„Nicht eine Rivalität, sondern eine gemeinsame Kooperation von WLAN und Mobilfunk ist unsere Idee.“
Dr. Osvaldo Gonsa, Continental AG

Auch Functional Safety ist ein wichtiger Aspekt für die Automotive Industrie. In der Telekommunikationsbranche ist dieses Konzept noch weitgehend unbekannt. Für Gonsa wäre deshalb ein erster Schritt, die Kollegen aus den Telekommunikationsunternehmen zu dem in der Automotive-Welt entscheidenden Standard „ISO 26262“ zu schulen. Darüber hinaus müsse eine Analyse des Mobilfunknetzwerks durchgeführt werden, um Risiko-Niveaus zu ermitteln und Maßnahmen zu definieren, mit denen sich diese Risiken kompensieren lassen.

Einen der immer noch offenen Punkte bei 5G sieht Gonsa beim Thema Geschäftsmodelle. Doch er ist optimistisch, dass sich über Kooperationen gemeinsam mit der Telekommunikationsbranche Win-Win-Modelle entwickeln lassen können.

Vernetzte Autos brauchen kooperative Systeme

Die disruptiven Prozesse und den Wandel in der Mobilbranche skizzierte auf der ConCar Expo Jürgen Daunis, Sales Director Automotive bei Ericsson. Für ihn spielt das Thema Konnektivität eine grundlegende Rolle. Die Digitalisierung des Fahrzeugs sowie Mobilitätsdienste setzen voraus, dass vernetzte Autos mit der Infrastruktur und anderen Elementen der Umgebung verbunden sind.

Sicherheit muss laut Daunis Ende-zu-Ende konzipiert werden. Es geht darum, die Security-Architekturen im Fahrzeug, Bus-Systeme und Komponenten weiter auszubauen und auch die Verbindung über die Luftschnittstelle bis ins Backend zu berücksichtigen. Dabei sind auch kooperative Systeme gefragt. Wenn etwa die Infrastruktur eine Notbrems-Information an das Fahrzeug sendet, muss sichergestellt sein, dass diese Information valide ist und dass die Aktion in einer sicheren Art und Weise ausgeführt wird.

„Sicherheit ist noch ganzheitlicher zu denken als nur im Fahrzeug.“
Jürgen Daunis, Ericsson

Daunis prophezeit auf der ConCar Expo darüber hinaus fundamentale Veränderungen bei den Geschäftsmodellen: Weg vom reinen Verkauf und der Produktion von Fahrzeugen hin zu einem Selbstverständnis der Hersteller als Mobilitätsanbieter und erste Schnittstelle zum Kunden.

„Wer die Kunden an der Mobilitäts-Schnittstelle bedient oder besitzt, der wird natürlich auch die ganze Value-Chain dahinter besitzen.“
Jürgen Daunis, Ericsson

Trendthema Blockchain auf der ConCar Expo

Auch das Thema Blockchain spielte eine große Rolle im Bühnenmagazin der Intelligenten Welt auf der ConCar Expo.
Frank Bolten, Blockchain-Experte und Partner beim Beratungsnetzwerk Astratum, hatte zu diesem Trendthema erst vor kurzem einen ausführlichen Gastartikel auf intelligente-welt.de veröffentlicht. Nun war er auch unser Gast auf der Bühne der ConCar Expo.

In seinem Vortrag betonte er das diruptive Image dieser Technologie, durch die die digitale Währung Bitcoin möglich wurde.  Die Entwicklung von Bitcoin habe ihren Ursprung in der Finanzkrise 2008.  Damals waren vorher entstandene Machtkonzentrationen zum Problem geworden. Bitcoin sollte diese Probleme durch einen revolutionären Ansatz lösen – nach dem Motto „disrupt the disruptors“.

Die neu entwickelte Technologie sollte das Internet stärker demokratisieren. Inzwischen wird besser verstanden, welche Charakteristika die dahinterliegende Blockchain-Technologie hat. Dadurch ist es möglich, sie zur Prozessoptimierung innerhalb eines Unternehmens oder zwischen Unternehmen einsetzen können.

Moderator Hannes Rügheimer fragte nach: Wesentliche Merkmale von Blockchain sind Privatheit und Sicherheit. Wie lässt sich das technisch wirklich gewährleisten? Bolten erklärte noch einmal das Prinzip: Wenn eine Transaktion initiiert wird, nutzt der Anwender einen sogenannten privaten Schlüssel, den nur er kennt. Damit verschlüsselt er die Transaktion und sendet einen öffentlichen Schlüssel mit. Nur derjenige, der sowohl den zugehörigen privaten Schlüssel als auch Zugriff auf den öffentlichen Schlüssel besitzt, kann die verschlüsselte Information bekommen. Oder im Falle von Transaktionen den übermittelten Wert erhalten.

Unter Sicherheitsgesichtspunkten ist aber auch der Aspekt „Chain“ der Blockchain-Technik entscheidend: Alle Transaktionen werden in Blöcken gespeichert, und jeder dieser Blöcke erhält einen Zeitstempel. Sie werden unwiderruflich aneinander gekettet, sodass man auch den zeitlichen Ablauf unveränderlich einsehen kann.

Blockchain ermöglicht laut Bolten außerdem flexiblere Geschäftsmodelle, etwa durch sogenannte Smart Contracts in der Versicherungsbranche. Wird zum Beispiel eine Flugausfall-Versicherung abgeschlossen, und der Flug fällt tatsächlich aus, wird die Information auf der Blockchain über den Abschluss der Versicherung um die neue Information ergänzt, dass der Flug ausgefallen ist. Danach laufen alle Prozesse wie etwa Erstattungen automatisiert ab.

„So bekommt der Versicherungsnehmer sein Geld zurück, ohne dass er irgendeine Meldung machen muss oder dass irgendwelche Backoffice-Prozesse notwendig werden.“
Frank Bolten, Blockchain-Experte

Blockchain für Data Privacy

Moderne Mobilitätsservices sind per se disruptiv. Jetzt kommt mit der Blockchain quasi schon die Disruption der Disruption. Auf der ConCar Expo fragten wir deshalb Carsten Stöcker, Leiter des Blockchain Competence Teams beim RWE Innovation Hub: Werden die neuen disruptiven Geschäftsmodelle à la Uber auch wieder attackiert? Stöcker erklärte: Mittlerweile gibt es Blockbook-Startups, die digitale soziale Netzwerke und Medien auf der Blockchain realisieren – wie etwa Steemit oder Datt. Hinter ihnen steht die Idee, seine Daten nicht mehr an eine Datenkrake wie Facebook zu geben, sondern an eine durch Blockchain-Technik grundlegend abgesicherte Plattform und Infrastruktur.

„Ich gebe Ihnen Zugriff zu meinen Daten und umgekehrt.
Das ist die bessere Data Privacy.“
Carsten Stöcker, RWE Innovation Hub

Auch bei Carsten Stöcker fragte Moderator Hannes Rügheimer nach: Kann die Blockchain-Technologie Privatheit und Sicherheit wirklich gewährleisten? Stöcker erklärte die zugrunde liegende Technologie am Beispiel Auto-Versicherung mit „Usage-based Insurance“-Tarif: Versicherer und Kunde einigen sich auf einen Algorithmus, nach dem die Prämie berechnet wird. Dieser Algorithmus läuft dann gesichert durch kryptografische Verfahren ab. Die Versicherung bekommt die Prämienkalkulation und den Proof, dass korrekt gerechnet wurde. Zugriff auf die Daten des Kunden hat sie jedoch nicht. Zudem würden die Daten bei diesem Ablauf pseudonymisiert und bleiben auch während der Validierung der Einträge auf der Blockchain verschlüsselt.

Der Automotive-Branche empfiehlt Stöcker, sich intensiv mit dem Thema Blockchain für Mobility zu beschäftigen, anzufangen die Technologie zu verstehen und sich genau zu überlegen, wie darauf basierende Systeme  und Geschäftsmodelle aussehen könnten.

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