Fahrerlose Autos in Wartestellung: Die Flotte von Waymo.

Autonomes Fahren: Können deutsche Firmen international mithalten?

Wenn es ums autonome Fahren geht, reden zurzeit alle über die Google-Tochter Waymo, die schon eine ganze Flotte fahrerloser Autos auf die Straße schickt. Doch auch hierzulande will man beim Wettbewerb um die innovativsten Forschungsprojekte mindestens vorne mit dabei sein. Zahlreiche deutsche Firmen und Forschungsinstitute mischen bei der Entwicklung mit.

Aufmacherbild: (C) Waymo / YouTube

Die Passanten in San Francisco staunten dieses Frühjahr nicht schlecht, als fahrerlose Autos der Google-Firma Waymo sie zu einer kostenlosen Fahrt einluden. Und das so weitgehend reibungslos, dass den Mitfahrern die Begeisterung ins Gesicht geschrieben war. Zu sehen ist das Ganze in diesem dreiminütigen Waymo-Video:

Seit acht Jahren – in der IT-Welt eine gigantisch lange Zeit – arbeitet der Konzern Alphabet schon an der Entwicklung von fahrerlosen Autos. Die Mutterfirma von Google gilt heute als eines der führenden Unternehmen in diesem Bereich.

Im Oktober 2017 folgte der vorläufige Höhepunkt: Vans vom Typ Chrysler Pacifica bringen in einer Testphase Fahrgäste selbsttätig zum Ziel – ganz ohne Fahrer, der bislang noch zur Sicherheit hinter dem Lenkrad sitzen musste. Allerdings überwacht von einem Kontrollzentrum, das im Notfall entsprechende Befehle schicken kann.

Lust auf eine kostenlose Rundfahrt ohne Fahrer? – (C) Waymo / YouTube

Der nächste Schritt: Die Waymo-Flotte soll örtlichen Taxigesellschaften Konkurrenz machen. Dazu können die Fahrgäste ein Fahrzeug über eine App anfordern. 50 Chrysler Pacifica sind derzeit im Einsatz, 50 weitere in Wartestellung – und weitere 500 sind bereits bestellt.

Fahrerlose Autos – kann die Konkurrenz aufholen?

Insgesamt sind es aktuell gut 300 Unternehmen, die massiv in die Forschung rund um Sensorik und Software für autonomes Fahren investieren. Mit jedem Unternehmen, das auf diesem Markt mitspielen will, wächst die Chance, dass die Serienreife schneller erreicht wird. Beispiele für internationale Player sind im ersten Teil unserer Reihe „Forschung für autonomes Fahren“ nachzulesen.

Continental geht von einer Vollautomatisierung bis 2025 aus. (C) Continental

Ein wichtiges Beispiel für den nationalen Markt ist Audi. Seit Beginn des Jahres arbeiten die Ingolstädter im Bereich Künstliche Intelligenz mit dem Grafikprozessor- und Chipsatz-Spezialisten NVIDIA zusammen. Bis 2020 soll ein komplett autonom fahrendes Auto auf die Straße gebracht werden, was dem Autonomie-Level 5 entsprechen würde.

Der neue Audi A8 ist mit seinen vielen Sensoren schon bei Level 3 angekommen. (C) Audi

Ein erster bedeutender Schritt ist der im Juli vorgestellte neue Audi A8, der schon den Level 3 erreicht. Laut Audi machen unzählige Sensoren das Auto zum „ersten Serienautomobil der Welt für hochautomatisiertes Fahren“.

Besonders aktiv in der Forschung rund um autonomes Fahren ist auch der Automobilzulieferer Continental. Er arbeitet an einer ganzen Reihe von autonomen Mobilitätslösungen. Etwa an fahrerlosen Autos und Lkws, bis hin zu „Robo-Taxis“ und eigens entwickelten kleinen smarten Autos.

Continental ist nun auch Teil einer Allianz von Firmen, die gemeinsam eine technische Plattform für hoch- und vollautomatisiertes Fahren entwickeln wollen. Ins Leben gerufen wurde sie von BMW, Intel und Mobileye. Allein BMW will demnächst einige Dutzend autonome Fahrzeuge in Europa und den USA testen.

Continental arbeitet an einer ganzen Reihe von autonomen Mobilitätslösungen. (C) Continental

Viele Entwicklungskooperationen in Deutschland

Eine weitere Entwicklungskooperation ist die von Daimler und Bosch. 2018 soll bereits ein serienreifes System präsentiert werden, das die Mobilität in Städten revolutionieren soll. Auch hier sind Robo-Taxis geplant, aber auch selbstfahrende Car-Sharing-Fahrzeuge sollen via App automatisch zum Nutzer fahren. Die nötige Intelligenz will Bosch liefern.

„Sedric“ ist der erste autonom fahrende VW. (C) VW

Auf dem diesjährigen Genfer Autosalon machte auch VW von sich reden. Als eine „Lounge auf Rädern“ sehen die Wolfsburger ihr Konzeptauto „Sedric“, dessen Name für „self-driving car“ steht. Vorgestellt wurde es im März auf dem Genfer Autosalon und soll Teil eines „integrierten Mobilitätskonzepts für den Straßenverkehr der Zukunft“ sein. Sedric ist der erste VW, der für autonomes Fahren auf Level 5 konzipiert wurde.

Forschungseinrichtungen widmen sich dem Thema schon seit über zehn Jahren

Apropos VW: Schon 2007 hatte die TU Berlin unter dem Projektnamen „Spirit of Berlin“ eine erste Version eines selbsttätig fahrenden Autos vorgestellt. Der Fahrer konnte das Auto entweder selbst steuern oder die Steuerung komplett an den Computer übergeben. Lenken, bremsen, beschleunigen – alles übernahm der umgerüstete VW Passat.

Vor zehn Jahren schon stellte die TU Berlin ein fahrerloses Auto vor. (C) TU Berlin

Auch andere Forschungseinrichtungen machen bei der Entwicklung fahrerloser Autos auf sich aufmerksam. So dreht sich zum Beispiel das Projekt „Stadtpilot“ der TU Braunschweig neben technologischer Lösungen auch um Fragen im Bereich Recht und Ethik. Dazu zählt die mittlerweile schon fast klassische Fragestellung, wie Künstliche Intelligenz trainiert sein muss, damit ein Auto im Falle eines drohenden Unfalls „richtig“ entscheidet.

Sind fahrerlose Autos fast schon wieder „out“?

Die Konzeptstudie „Pop.Up“ fährt und fliegt autonom und kann an andere Transportmittel andocken. (C) Airbus / Italdesign

Abschließend sei noch ein spannendes Konzept von Airbus erwähnt. Angesichts der großen deutschen Beteiligung an dem europäischen Flugzeugbauer zählen wir den Konzern etwas großzügig zu den nationalen Playern mit dazu. Doch der Flugzeug-Konzern wäre kein ebensolcher, wenn er das Thema autonomes Fahren nicht mit dem Thema Fliegen verbinden würde: „Pop.Up“ ist nicht nur ein Fahrzeug, das selbsttätig fährt und fliegt. Es ist auch sehr flexibel, weil es an andere Transportmittel andocken kann.

Konzeptstudien und Prototypen, die neben dem autonomen Fahren auch das Fliegen abdecken, schleichen sich gerade fast klammheimlich, aber immer zahlreicher in den Fokus der Forschungsszene. Wer weiß, ob nicht vielleicht so mancher Autobauer, der in den nächsten Jahren fahrerlose Autos auf die Straßen bringt, von der Entwicklung bereits wieder überholt wird und seine Forschungsaktivitäten gen Himmel ausweiten muss.

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