(C) Sensoria Inc.

Smarte Kleidung: Die Welt „um uns herum“ wird immer intelligenter

Aufmacherbild: (C) Sensoria Inc.

Noch näher dran geht es kaum: Intelligente Kleidung, die dem Träger in praktisch allen nur erdenklichen Lebenslagen hilft, wird von Forschern und Analysten als eines der wichtigsten Zukunftsfelder schlechthin eingeschätzt. Längst lässt sich Elektronik so winzig herstellen, dass sie fast unmerklich zwischen zwei Stofflagen passt. Wir haben uns einige Beispiele angeschaut, die das große Potenzial deutlich machen – denn bei „Smart Clothes“ oder auch „Wearables“ sind der Fantasie fast keine Grenzen gesetzt.

Achtung, in diesem Text ist ein Aprilscherz versteckt. Die meisten Ideen sind nicht nur beeindruckend, sondern auch schon marktreif – aber eine ist dann doch etwas übertrieben.

Allein die folgende Entwicklung klingt schon wie ein Scherz. Sie ist aber keiner, sondern birgt ernsthafte Anwendungsmöglichkeiten: Metallisierte Haar-Extensions ermöglichen die unauffällige Steuerung des Smartphones.

Geht es nach der Informatikerin Katia Vega mit ihrem Projekt „Hairware“, dienen in Zukunft als Eingabegerät die eigenen Haare oder sogar der eigene Bart. Je nachdem, wo die berührungsempfindlichen Sensoren angefasst werden, können unterschiedliche Steuerbefehle per Bluetooth an ein Smartphone gesendet werden.

Wer also demnächst an seinen Haaren oder dem Bart spielt, hat nicht etwa einen Tick, sondern zeichnet vielleicht ein Gespräch auf oder sendet die Position des Trägers an einen festgelegten Empfänger.

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Tragbare Technik  braucht aber nicht in den Körper integriert zu sein. Die erste Schicht der „Welt ums uns herum“ ist schließlich die Kleidung, die wir fast immer tragen. Sie ist somit die ideale Verpackung für Technik, die wir auch immer bei uns haben wollen – und die immer kleiner und leistungsfähiger wird.

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Umfrage von Statista.com: Was glauben Sie, wann intelligente Kleidung weit verbreitet sein wird?

Tragbare Kleinstcomputer, Mobiltelefone, Klimaanlagen, Gesundheits-Überwachungssysteme mit automatischem Notruf, Jacken mit Freisprecheinrichtung, organische Solarzellen als Ladestation, integrierter UV-Schutz – die Liste der Ideen und Anwendungsmöglichkeiten ließe sich noch lange fortsetzen. Und dieses Geschäft, so prognostizieren Experten, wird sich rasant entwickeln: Lag der Absatz smarter Kleidung Ende 2014 noch bei 100.000 Stück, soll er schon im kommenden Jahr auf 26 Millionen Stück steigen.

Schon jetzt gibt es zahlreiche fertige Lösungen, wie etwa das Beispiel „HAFAS“ der Firma HaCon im folgenden Intelligente-Welt-Video zeigt.

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Auch im Sportbereich hält Mikroelektronik Einzug. Wer zum Beispiel das Fußballschuh-Modell „Adizero“ von Adidas trägt, kann über eine Smartphone-App Bewegungen wie Sprints und Ballschüsse aufzeichnen. Die Fußballmannschaft der TSG 1899 Hoffenheim wiederum trainiert mit sensorisch vernetzter Funktionskleidung, die die wichtigsten Trainingsdaten an einen „Leitstand“ funkt – von Ballkontakten bis zur Geschwindigkeit der Spieler.

(C) Fraunhofer IZMÜberwacht werden könnten auch Rettungskräfte oder Kinder. Während das Projekt „SensProCloth“ Schutzkleidung mit Sensoren bestückt, die den Gesundheitszustand eines Retters an die Einsatzleitung senden, schlägt ein Baby-Strampelanzug des Fraunhofer-Instituts IZM Alarm, wenn seine Sensoren erkennen, dass das Kind nicht mehr atmet.

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Die Sicherheit erhöhen könnten auch Alarmtasten, die in die Kleidung eingearbeitet sind, damit man bei Gefahr einen Notruf abschicken kann. Oder ein Airbag-System für Motorradfahrer, das in die Bekleidung integriert ist und bei extremen Beschleunigungswerten eine Druckluftkartusche auslöst.

(C) Sensoria Inc.Oder wie wäre es mit „schlauen Socken“, die das Aufsetzen der Füße auf dem Boden erfassen und Ihnen dabei helfen, Ihren Laufstil zu verbessern? Auch dies ist keine Zukunftsvision – die Firma Sensoria aus Redmond liefert sie bereits aus.

Sensoren sind auch in ein „intelligentes Hemd“ eingewoben, das vom amerikanischen Mode-Label Ralph Lauren entwickelt wurde. Biosensitive Silberfasern im „Polo Tech Shirt“ erfassen Herz- und Atemfrequenz sowie Kalorienverbrauch des Trägers und übertragen die Daten direkt an sein Smartphone, wo sie blitzschnell ausgewertet werden.

In die gleiche Richtung entwickeln das Unternehmen Toray und die japanische Mobilfunkfirma NTT Docomo. Ihr Shirt soll nicht nur beim Sport, sondern auch beim Schlafen getragen werden und misst den Puls des Trägers, sendet die Daten zum Smartphone, wo sie in einer  Gesundheits-App ausgewertet werden. Von diesem Konzept würden zum Beispiel ältere Menschen oder Reha-Patienten profitieren – etwa, wenn die Gefahr eines Herzinfarkts besteht.

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(C) Yanko DesignDass man es mit „sensorischer Kleidung“ allerdings auch übertreiben kann, zeigen Firmen wie Yanko Design – sie hat eine „Tastaturhose“ entwickelt, deren Praxisnutzen uns nicht unbedingt einleuchtet. Ähnliches gilt auch für Forscherteams an den Universitäten von Montreal und London. Sie haben Jacken, Hosen und Pullover entwickelt, die praktisch alles aufzeichnen , was messbar ist – von Körpertemperatur und Herzfrequenz bis zu Schweißbildung und Atmung. Mit diesen „Lebensdaten“ soll die Stimmung des Trägers ermittelt werden. So weit, so gut. Allerdings soll daraus auch der Gemütszustand abgeleitet werden, damit die elektronischen Begleiter darauf passend reagieren können – zum Beispiel, indem sie aufmunternde  Musik abspielen oder Fotos auf dem Smartphone anzeigen, um die Stimmung des Anwenders zu heben. Ob es für solche Gadgets wirklich einen Markt gibt?

Trotz oder gerade wegen solcher Gedankenspiele: Analysten gehen davon aus, dass es im Bereich der Smart Clothes „Massen von Experimenten“ geben wird. So formuliert es etwa J.P. Gownder vom Technik-Marktforscher Forrester im Interview mit der Zeitung „Die Welt“ und fährt fort: „Sie werden überrascht sein, wo tragbare Technik überall auftauchen wird.“ Beispielsweise könnten Kleinstsender in Kleidungsstücken die lückenlose Inventur von Lagerbeständen bei einem Kleidungshersteller ermöglichen. Oder beim Eintritt in ein Geschäft könnten Kunden über ihre Smart Clothes erkannt und sie automatisch nach ihren Einkaufsvorlieben beraten werden.

(C) iShüuNach so vielen praktischen folgt nun ein ganz und gar „unpraktisches“ Einsatzgebiet, aber ein echtes Schmankerl für Design-Fans und Modebewusste: Der „Volvorii Smart Shoe“ kann seine Farbe per Smartphone-Knopfdruck ändern – über ein im Schuh integriertes E-Ink-Display, das sonst fast nur bei E-Book-Readern zum Einsatz kommt. Weil es das aber noch nicht serienreif in Farbe gibt, können nur Schwarz, Weiß und gemischte Muster angezeigt werden. Der Aha-Effekt, vor allem beim Wechsel der Anzeige, wird beim Betrachter aber sicher beträchtlich sein.

Das litauische Start-up iShüu aus Vilnius hat für den Schuh gerade per Crowdfunding Geld eingesammelt und will die Entwicklung noch vor Weihnachten 2015 ausliefern. Witziges Detail am Rande: Da sich der Schuh drahtlos mit einem mitgelieferten Ladegerät aufladen lässt, gibt es natürlich auch eine „Laufzeit“ – der Akku soll 2 bis 6 Monate durchhalten.

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Wussten Sie übrigens, dass es sogar schon „Selfie Shoes“ gibt? Die Firma Miz Mooz hat Damenschuhe anfertigen lassen, in deren Spitze man das Smartphone stecken kann – damit bleiben die Hände frei und der Arm erscheint nicht auf dem Foto. Coole Idee, nicht wahr? Zumindest für sehr gelenkige Hobbyfotografen, wie das Werbevideo verdeutlicht.

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Wenn Sie das jetzt doch etwas übertrieben finden, herzlichen Glückwunsch! Denn damit haben Sie unseren versteckten und zugegebenermaßen auch etwas verspäteten Aprilscherz entdeckt. Ihr vermeintlicher Hersteller Miz Mooz hatte das Video rechtzeitig zum 1. April 2015 veröffentlicht.

Dass „Wearable Technology“ aber eigentlich gar keine ganz neue Idee ist, zeigt die folgende Grafik des schwedischen Start-ups Memoto, das eine „anklippbare“ Mini-Kamera entwickelt hat. Sie zeigt eindrucksvoll, dass es tragbare Technik schon seit mindestens acht Jahrhunderten (!) gibt.

(C) Memoto

René Wagner

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