RWE erprobt Blockchain für Ladestationen

Aufmacherbild: (C) Túrelio via Wikimedia, CC BY-SA 3.0 

Der Energieversorger RWE erprobt den Einsatz des Transaktions- und Authentifizierungsverfahren Blockchain an Ladestationen für Elektroautos. Carsten Stöcker, Leiter Blockchain Competence Team bei der RWE-Abteilung „Innovation Hub“, sprach im Rahmen des Bühnenmagazins der Intelligenten Welt auf der ConCar Expo 2016. Dort berichtete er von den Anwendungsmöglichkeiten und ersten Erfahrungen aus dem Projekt, das den Namen „Blockcharge“ trägt.

Die Blockchain-Technologie nehme den „Digital Superstars“ wie Google oder Facebook die Hoheit über Daten und Transaktionen weg, so Carsten Stöcker. Deshalb sei die Blockchain ein wichtiger Schritt zur Demokratisierung solcher Funktionen. Vor diesem Hintergrund bereite sich der Energieversorger RWE schon heute auf die Nutzung der disruptiven Technologie vor – und auf die Veränderungen, die sich daraus für seine Prozesse und Geschäftsmodelle ergeben. Neben Individuen und Unternehmen beziehungsweise Organisationen müssten sich Anbieter wie RWE in Zukunft auf eine dritte Art von Kunden vorbereiten: Maschinen, die untereinander Transaktionen durchführen.

Wie dies praktisch aussehen könnte, beschrieb der Leiter des Blochchain Competence Teams bei RWE am Beispiel der Transaktion an einer Ladestation für Elektroautos: Beim sogenannten „Blockcharge“-Projekt ist das Crypto-Wallet, also die digitale Geldbörse, direkt im Fahrzeug integriert. Möglich sei aber auch die Transaktion über eine App. Schon vor der Ankunft an der gebuchten Ladestation kann das Fahrzeug diese durch Bereitstellung einer Anzahlung verbindlich reservieren. Denkbar sei auch, dass Fahrzeug und Ladeinfrastruktur bereits im Vorfeld über einen variablen Preis für das Aufladen verhandeln. Beide Seiten genießen dabei die von der Blockchain-Technik gewährleistete Sicherheit: Auto beziehungsweise Fahrer wissen, dass sie nur für tatsächlich bezogene Leistung bezahlen werden. Sollte die Ladestation etwa defekt sein, würde die Anzahlung selbstverständlich zurückerstattet. Der Betreiber der Ladeinfrastruktur kann sich wiederum darauf verlassen, dass die abgegebene Energie zuverlässig bezahlt wird.

Blockcharge nutzt Blockchain zur Abrechnung von Ladevorgängen für Elektroautos

RWE testet das Konzept bereits an 40 Ladestationen und mit einer Flotte von mindestens 20 Elektrofahrzeugen. „Blockcharge“ sei ein gutes Beispiel für die Vorteile, die sich für alle Beteiligten aus der Blockchain-Technologie ergeben:

  • Teilhabe – jeder kann Leistungen anbieten oder nutzen. Sichere Authentifizierung und sichere Bezahlung sind dabei gewährleistet.
  • Effizienz – Transaktionen inklusive der Anzahlung („Deposit“) lassen sich zu einem Bruchteil der Kosten heutiger Bezahlsysteme realisieren. Perspektivisch sieht Carsten Stöcker diese Transaktionskosten im Sub-Cent-Bereich.
  • Datensicherheit – durch das Signieren von Datenübertragungen, sind diese sicher. Und die Beteiligten (Anwender wie Anbieter) bekommen die unmittelbare Kontrolle über ihre Daten zurück.

Dazu befragt, wie sich Unternehmen, Autohersteller und andere Marktteilnehmer auf diese Disruption vorbereiten können, gab Carsten Stöcker noch einige wichtige Tipps: Er empfiehlt, immer in Ökosystemen zu denken. Unternehmen legte er nahe, sich sowohl mit großen Playern als auch mit Startups auszutauschen. Künftige Geschäftsmodelle sollten angesichts des Blockchain-Trends stark auf Peer-to-Peer-Transaktionen ausgelegt sein. „Es wird für große Konzerne schwer werden, die Kontrolle über die Daten zu behalten“, prognostiziert Carsten Stöcker. Aber es sei doch auch besser, wenn diese Kontrolle wieder beim Anwender beziehungsweise den beteiligten Geschäftspartnern liege als bei den Schwergewichten der hier konvergierenden Branchen Automotive, Energieversorgung und Finanzdienstleistungen.

Den kompletten Vortrag von Carsten Stöcker auf der ConCar Expo 2016 und die anschließende Fragerunde können Interessenten hier als rund 10-minütigen Videomitschnitt anschauen:

 

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