(C) Uckermärkische Verkehrsgesellschaft

Nächster Halt: Lebensqualität – Smarte Logistik im Landleben 2.0

Aufmacherbild: (C) Uckermärkische Verkehrsgesellschaft

Autos liefern automatisch Pakete aus oder fahren Senioren zum Arzt: Könnte so in Zukunft unser Leben auf dem Land aussehen? Im Forschungsprojekt „Smart Rural Areas“ des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering (IESE) arbeiten Wissenschaftler und Unternehmen an Konzepten, um das Leben und Arbeiten auf dem Land attraktiver zu machen. 

Neuer Schwung fürs Leben auf dem Land, und das durch Vernetzung intelligenter Software und Systeme? Tatsächlich wird dies seit dem vergangenen Jahr intensiv erforscht und entwickelt. Selbst die Politik hat die Notwendigkeit erkannt:

(C) Uckermärkische Verkehrsgesellschaft„Das Modellvorhaben kombiBUS in der Uckermark hat sich als wirksamer Beitrag für die Qualitätssicherung der Daseinsvorsorge in dünn besiedelten Regionen etabliert; es ergänzt den ÖPNV um Komponenten der Nahversorgung. Auf der Basis des vorhandenen Leitfadens wird die Übertragung des KombiBus-Ansatzes für bis zu vier weitere Aufgabenträger/Landkreise im Rahmen eines Wettbewerbs/Förderprogramms unterstützt sowie anteilig kofinanziert.“

Das Zitat stammt aus dem Koalitionsvertrag der Brandenburger Regierungspartner SPD und Die Linke. Auch wenn es sich „nur“ auf ein Projekt bezieht, wirkt es sich doch bereits auf weitere Gebiete aus: Nach der Uckermark in Brandenburg rollt ein „kombiBUS“ nun auch in Thüringen, und laut der Entwicklerfirma Interlink GmbH stehen die nächsten Interessenten bereits in den Startlöchern. Die Firma berät Verkehrsunternehmen und erstellt Wirtschaftlichkeitsanalysen – hinzu kommen die Fahrplangesellschaft B&B (Güterbeförderung, Netz- und Fahrplan-Optimierung) und das raumkom Institut für Raumentwicklung und Kommunikation.

Was genau ist der kombiBUS? Das Projekt ist ein schönes Beispiel für den Fokus „Smart Rural Areas“. Dabei ist das Prinzip einfach: Nicht nur Personen, auch Güter können im Linienbus fahren. Ausgezeichnet wurde dieses Projekt von der Bundesregierung im Wettbewerb „Land der Ideen“ als eines von 365 herausragenden „Orten“.

(C) Uckermärkische Verkehrsgesellschaft
Der kombiBUS transportiert nicht nur Personen, sondern auch Güter – in Brandenburg schon seit 2012. (C) Uckermärkische Verkehrsgesellschaft

Dabei soll der Busverkehr als mobile Versorgungsinfrastruktur einen zusätzlichen Beitrag zur Daseinsvorsorge im ländlichen Raum leisten. Und dafür müssen nicht einmal neue Transportkapazitäten aufgebaut werden: „Haltestellen, freier Frachtraum in den Fahrzeugen und ein regelmäßiger Fahrplan sind ohnehin vorhanden“, heißt es auf www.kombibus.de. Das komme nicht nur der Region, sondern auch den Fahrgästen zugute. „Denn die neue Aufgabe hilft gleichzeitig, die Busverbindungen finanziell zu sichern und insbesondere auch außerhalb des Schülerverkehrs eine Bedienung zu ermöglichen.“

Mit der Neuorganisation der bestehenden Infrastruktur komme man dem Ziel ein großes Stück näher, die Lebensqualität trotz der demografischen Umwälzungen zu erhalten. Neue Aufgaben für den ÖPNV würden die Effizienz steigern und bei der Reduktion von Kosten helfen. Weitere Vorteile: Die regionale Wirtschaft vernetzt sich neu und erhält so auch gleich noch Impulse für die heimische Wertschöpfung.

(C) „Fracht-Bus“ von Christoph Silvanus - Eigenes Werk. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fracht-Bus.JPG#/media/File:Fracht-Bus.JPG
Moderner „Fracht-Bus“ in Norwegen.

Dabei ist die Idee nicht brandneu: Schon vor gut einhundert Jahren fuhren in Ulm die weltweit ersten „Kombinationsbusse“, die neben Personen auch Güter befördern konnten. In Skandinavien sind solche Busse seit vielen Jahren im Einsatz. Und die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft (UVG) befördert seit 2012  in normalen Linienbussen auch Güter.

Das in die Konzeption und wissenschaftliche Begleitung involvierte Institut für Raumentwicklung und Kommunikation raumkom aus Trier fasst zusammen: „Der kombiBUS erreicht auch in anderen Bereichen der Daseinsvorsorge – etwa der Lebensmittelversorgung, der Post- und Warensendungen – Verbesserungen und steigert damit die Lebensqualität insgesamt.“

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Weitere Vorteile sind eine bessere Auslastung von Kapazitäten für Verkehrsunternehmen, die Wiederherstellung der Nahversorgung in einer Gemeinde, „taggleiche“ Lieferungen bis zur Wunschhaltestelle sowie mehr Nachhaltigkeit durch umweltschonende Mobilität.

Über den kombiBUS hinaus sind bereits zahlreiche Projekte angelaufen, die die Logistik im ländlichen Raum ebenfalls verbessern sollen: Ein smarter Tante-Emma-Laden dient als Multiservice-Shop – er bietet also viele Dienstleistungen für den alltäglichen Bedarf in einem Ladenlokal. „Crowd Logistics“ realisieren zum Beispiel Kofferraumbelieferung in Carsharing-Autos oder in private Fahrzeuge. Logistik-Service-Zellen unterstützen  die zentrale Auslieferung von Warensendungen verschiedener Anbieter. Smarte Lifestyle-Corner bündeln Waren nach den Vorlieben der Bürger und sortieren sie nicht wie bisher nach Sparten. Pflegedienste bieten Kombi-Service-Hausbesuche an und übernehmen in diesem Zusammenhang auch gleich die Paketauslieferung. Die Konzepte reichen bis hin zu autonomen Lieferfahrzeugen oder Paketdrohnen, die allerdings noch in der Entwicklung sind und teilweise kontrovers diskutiert werden.

(C) Internet & Gesellschaft Collaboratory e.V.
Logistik fürs Landleben 2.0 – (C) Internet & Gesellschaft Collaboratory e.V.

Das Ziel ist klar: Das Leben in ländlichen Regionen zukunftsfähig zu gestalten, sei die gemeinsame Aufgabe in Politik, Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft – so formuliert es das Fraunhofer-Institut. Einschränkungen und Hindernisse, die auch zu den Gründen für eine „Landflucht“ gehören, sollen durch smarte, softwarebasierte Lösungen ausgeräumt werden.

Erste Forschungsergebnisse und Erfahrungen zeigen, dass diese Projekte einen klaren Nutzen bringen. So tragen sie dazu bei, das „Landleben 2.0“ nachhaltig zu verbessern. Wobei dies nicht nur für den Bereich Logistik gilt. Deshalb werden wir auf Intelligente-Welt.de schon in Kürze weitere Beispiele aus dem Projekt „Landleben 2.0“ vorstellen – zum Beispiel aus den Bereichen Mobilität und Energie.

 

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