Augmented Reality Head-up Display

Automobile Trends von der CES

Aufmacherbild: Continental

Die „Consumer Electronics Show“, die regelmäßig im frühen Januar den Jahresablauf der Technik-Fans einläutet und in der Wüstenstadt Las Vegas zelebriert wird, präsentiert schwerpunktmäßig Unterhaltungselektronik, IT- und Mobil-Gadgets. Schon seit einigen Jahren sind aber auch fast alle namhaften Autohersteller dort vertreten – und unterstreichen damit die zunehmend wichtige Rolle von Infotainment und Elektronik im Automobil-Markt.

Auch auf der CES 2015 gab es wieder spannende Entwicklungen zu bestaunen, die in nicht mehr allzu ferner Zukunft Einzug in die Serienfahrzeuge halten dürften. Im Folgenden haben wir die spannendsten automobilen Trends von der CES 2015 für Sie zusammengestellt.

Smartphone im Auto: Apple gegen Google

 

Parrot RNB 6
Das Nachrüst-System Parrot RNB 6 unterstützt Apples Carplay.

Auch wenn Apple Messen wie der CES traditionell fernbleibt, spielten sein CarPlay sowie der von Google aufgefahrene Konkurrent „Android Auto“ eine wichtige Rolle auf der CES. So zeigten Zubehör-Anbieter wie Pioneer und Parrot Nachrüst-Infotainmentsysteme, die zum Teil beide Standards für die Anbindung an die beiden marktbeherrschenden Smartphone-Systemwelten unterstützen. Auch die Autohersteller selbst werden in vielen Fällen zweigleisig fahren – so bestätigten sowohl Audi als auch Mercedes, dass sie „CarPlay“ und „Android Auto“ gleichermaßen in ihre Erstausstattungs-Systeme integrieren werden. Kein Wunder, schließlich will kein Autohersteller die Nutzer des einen oder des anderen Systems als mögliche Kunden verlieren. Allerdings wurde auch klar, wo die Konfliktlinien verlaufen: Nämlich bei der Verwertung der anfallenden Daten – und das sind beim Autofahren mit Nutzung von Navigations- und Informationsdiensten nicht gerade wenige. Da bei Google das gesamte Geschäftsmodell darauf basiert, den Usern seiner Gratis-Angebote maßgeschneiderte Werbung zu präsentieren, dürfte der Suchmaschinen-Primus in dieser Hinsicht kaum zu Kompromissen bereit sein. Doch auch die Autobauer haben eigene Interessen und einiges zu verlieren. So sagt etwa Audi-Chef Rupert Stadler ganz klar: „Daten, die in unseren Autos generiert werden, gehören uns und nicht Google“

Selbstparkende Autos als Zwischenschritt zum selbstfahrenden Auto

BMW Remote Valet Parking Assistant

Der „Remote Valet Parking Assistant“ von BMW lässt das Auto selbstständig in Parkhäusern nach einem Parkplatz suchen.

Der „Remote Valet Parking Assistant“, den BMW in seinem i3 präsentierte (aber später auch in anderen Modellen anbieten will), lässt den Fahrer aussteigen und parkt das Fahrzeug dann selbstständig in dafür geeigneten Parkhäusern. Mit Laserscannern identifiziert und vermisst das Auto dazu einen freien Stellplatz. Kehrt der Fahrer später zurück, kann er das Auto per Smartphone oder Smartwatch auffordern, selbstständig zum Ausgang zu fahren. Ähnliche Konzepte gibt es auch bei Audi unter dem Namen „Pilotiertes Parken“ und bei VW als „Trained Parking“. Die hilfreichen autonomen Parkassistenten sind technisch so gut wie fertig – was ihre baldige Markteinführung noch verhindert, sind die noch offene Fragen im Verkehrs- und Versicherungsrecht. Klar ist aber, dass solche Lösungen deutlich früher auf den Markt kommen werden als autonom auf öffentlichen Straßen fahrende Autos. Nicht umsonst betrachten sie die Hersteller als Zwischenschritte in der längerfristig angelegten Entwicklung zum selbstfahrenden Fahrzeug.

Neue Bedien- und Darstellungskonzepte

Augmented Reality Head-up Display

Das „Augmented Reality Head-up Display“ von Continental passt Status- und Info-Darstellungen genau ins Sichtfeld des Fahrers und an den Straßenverlauf oder vorausfahrende Fahrzeuge an.

Viele Hersteller verbessern ihre Sprachsteuersysteme und hauchen ihnen immer mehr Eigenintelligenz ein. „Bringe mich zum nächsten Italiener“ sollen etwa die Fahrer neuester Audi-Modelle ab Spätsommer ihrem Navigationssystem befehlen können – das dann selbstständig die Route zum nächstgelegenen italienischen Restaurant empfiehlt.

BMW und Systemzulieferer Continental setzen neben Touchscreens und den schon länger bekannten Dreh/Drück-Reglern (die zunehmend ebenfalls touch-sensitive Oberflächen bekommen) seit neuestem inbesondere auch auf Gestensteuerung. So soll der Fahrer durch Handbewegungen zum Beispiel Ja/Nein-Fragen in Sprachdialogen beantworten oder ankommende Anrufe annehmen oder ablehnen können. Technisch basieren diese Lösungen auf Innenraumkameras und intelligenter Bildanalyse.

Auch bei der Darstellung von Informationen im Cockpit beziehungsweise im Sichtfeld des Fahrers tut sich einiges. So halten die von TV-Geräten und Smartphones bekannten Curved-Displays nun auch Einzug in Auto-Cockpits und erlauben den Innenraum-Designern damit neue Gestaltungskonzepte, welche die Informationen im wörtlichen Sinne näher an den Fahrer heranbringen. In 6 bis 12 Monaten dürften erste Fahrzeuge auf den Markt kommen, die in ihrem Innenraum mit gebogenen automotive-tauglichen Bildschirmen bestückt sind.

Darüber hinaus sind Verbesserungen auch bei den „Head-up Displays“ zu erwarten, die Symbole und Informationsanzeigen in die Windschutzscheibe und somit direkt ins Blickfeld des Fahrers einspiegeln. Hier lautet ein wichtiges Schlagwort „Augmented Reality“ – also die Anreicherung der Realität durch digitale Zusatzinformationen. Abstandsanzeigen eines Abstandsregel-Tempomaten, Navigationspfeile und ähnliche Symbole und Angaben werden dabei vom Verbund eines Hochleistungs-Rechners mit mehreren Kameras so positioniert, dass sie genau auf der Straße liegen beziehungsweise genau über dem vorausfahrenden Fahrzeug. Auch diese Technik dürfte noch 2015 in ersten Serienfahrzeugen aus der Premiumklasse auf den Markt kommen.

Vernetzung mit Smartwatch und Smart-TV

Smartwatch steuert BMW i-Serie

Auch eine Smartwatch kann zur Fernbedienung fürs voll vernetzte Auto (hier die i-Serie von BMW) werden.

Das Smartphone ist längst Fernbedienung fürs Auto – mit entsprechenden Apps lassen sich etwa geparkte Autos wiederfinden, Klimaanlage und/oder Standheizung fernbedienen oder das Fahrzeug öffnen. Auch Funktionen wie die eingangs beschriebenen autonomen Parkassistenten lassen sich vom Mobiltelefon aus steuern. Zusätzlich haben die Autohersteller in diesem Zusammenhang auch die gerade hippen Smartwatches für sich entdeckt. So präsentierte BMW seinen „Remote Valet Parking Assistant“ im Zusammenspiel mit Android-Smartwatches von Samsung und Sony. Die Steuerung erfolgte in diesem Fall lässig per Sprachbedienung. Audi stellte auf der CES gleich ein Konzept für eine eigene Smartwatch vor, welche die Ingolstädter gemeinsam mit LG entwickeln und vermarkten wollen. Und natürlich sollen alle beschriebenen Funktionen auch auf der fürs Frühjahr erwarteten Apple-Watch implementiert werden.

Als weiteres Beispiel für übergreifende Vernetzung bezog BMW auch Smart-TVs in sein Mobilitätskonzept „i-Connected Mobility“ mit ein. So sollen BMW-Fahrer schon im Wohnzimmer eine Fahrt planen, Park- oder Auflademöglichkeiten vorbuchen oder das Fahrzeug vor dem Fahrtbeginn komfortabel vorheizen können. Die entsprechenden Einstellungen und Auswahlen werden via Cloud auf die Fahrzeugsysteme überspielt.

Drahtlos auch im Auto

"Multifunktionales Smartphone Terminal" von Continental.

Das „Multifunktionale Smartphone Terminal“ von Continental lädt das Smartphone drahtlos auf, sorgt für die Anbindung an Bluetooth und NFC und koppelt das Telefon drahtlos (induktiv) an eine Außenantenne an.

WLAN-Hotspots und Bluetooth-Streaming sind im Auto fast schon ein alter Hut – oder zumindest seit mehreren Modelljahren Stand der Technik. Neu dazu kommen nun aber weitere Drahtlos-Techniken wie insbesondere NFC und drahtloses Laden. Systemzulieferer Continental präsentierte etwa ein „Multifunktionales Smartphone-Terminal“ für die Mittelkonsole. Dort werden entsprechend ausgerüstete Smartphones über den drahtlosen Ladestandard „Qi“ aufgeladen, gleichzeitig induktiv (sprich: ebenfalls drahtlos) an die Außenantenne angebunden und außerdem gezielt mit Bluetooth- und WLAN-Signalen versorgt. Eine intelligente Elektronik sorgt zum Beispiel dafür, dass die induktive Ladefunktion abgeschaltet wird und der Fahrer eine Warnmeldung erhält, wenn etwa ein Schlüsselbund oder Kugelschreiber sich in das Smartphone-Abteil verirrt. Per Near-Field Communication (NFC) kann das Smartphone überdies individuelle Einstellungen wie Sitz- und Spiegelpositionen aktivieren. Auch diese clevere Lösung soll im Lauf des Jahres in ersten Serienfahrzeugen auftauchen.

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