Smarte Logistik - Dank moderner Intralogistik sind alle Pakete rechtzeitig angekommen. Bildquelle: Pixabay

Smarte Logistik – warum das Lager digital werden muss

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Na, noch auf den letzten Drücker Geschenke geordert, die sich dann aber dennoch rechtzeitig unter dem Weihnachtsbaum finden lassen sollen? In Zeiten von eCommerce und Same-Day-Delivery kann das doch wohl kein Problem darstellen, oder? Allerdings ist dazu smarte Logistik nötig, und auch im Warenlager muss dafür so einiges digital werden.

Deutschland ist auch 2016 wieder Logistik-Weltmeister. Welche Leistung dahinter steckt, ist vielen Menschen oft gar nicht bewusst. Das könnte unter anderem daran liegen, dass Logistik hierzulande eigentlich zu perfekt funktioniert und die Bedürfnisse der Kunden praktisch unmittelbar erfüllt werden. So zumindest formulierte das sinngemäß Dorothee Bär, Parlamentarische Staatssekretärin im BMVI, auf der transport logistic 2015. Ebenso sprach sie davon, dass die Erwartung sowohl von Privat- wie auch Business-Kunden weg von Next-day Delivery hin zu Same-day Delivery geht, und empfahl der Branche, nicht in alten Geschäftsmodellen zu verharren.

Same-Day Delivery

„Der Markt für Same-Day Delivery – also die Zustellung von Waren noch am Tag der Bestellung – dürfte bis 2020 in Westeuropa auf rund drei Milliarden Euro wachsen.“ So lautet das Ergebnis einer Branchenstudie der Unternehmensberatung McKinsey & Company. Für die Analyse wurden mehr als 1.000 Konsumenten aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Schweden befragt. Besonders interessant: die Studie zeigt unter anderem auf, welche Bedingungen dafür erfüllt sein müssen:

  1. Produktverfügbarkeit. Wer am selben Tag liefern will, kann sich keine langen Transportwege leisten.
  2. Transparenz über lokalen Warenbestand. Die Händler müssen zuverlässig angeben können, ob das gewünschte Produkt vorrätig ist und am selben Tag ausgeliefert werden kann. Das beauftragte Logistikunternehmen wiederum muss in Echtzeit informiert werden, wo und wann es die Lieferung abholen soll.
  3. Schnelle Kommissionierung und Verpackung. Händler müssen investieren, um Vorlaufzeiten zu reduzieren und taggleiche Bestellungen bevorzugt abzuwickeln.

„Logistiker müssen technisch auf der Höhe der Zeit sein, um das Zusammenspiel von Kommissionierung, Verpackung und Auslieferung innerhalb weniger Stunden zu meistern.“
Thomas Netzer, Leiter Transport-, Logistik- und Infrastrukturbereich, McKinsey Deutschland

Herausforderung Mikrologistik

Ob Medikamente, Tiefkühlkost, empfindliche Elektroartikel oder individuell angefertigte Einzelstücke – Kunden erwarten, dass bestellte Waren überallhin geliefert werden können. Am besten bis vor die Haustür. Und wenn mit Stichworten wie Losgröße 1 und individueller Gestaltung die einzelnen Produkte schon in der Produktion an die jeweiligen Kundenwünsche angepasst werden, wird auch die Erwartung an eine Versendung von Gütern bis auf Stückebene laut. Eine Herausforderung für die Logistik. Denn sowohl die Warenlagerung als auch die lokale Warenanlieferung auf Mikroebene müssen die gleichen Anforderungen erfüllen wie der Großhandel, wenn es etwa um Produkte mit speziellen Ansprüchen wie bestimmte Verpackung, exakte Temperatur oder Vermeidung von Erschütterungen geht.

Intelligente digitale Vernetzung kann hier zur Optimierung des Supply Chain Managements beitragen und helfen, Zeit und Kosten zu sparen. Sinnvoll sind die Vernetzung und der Datenaustausch mit allen Partnern, um optimierte Wege zu finden. Aber das geht nur, wenn die Logistik-Experten und die IT-Experten ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Ideen gemeinsam in solche Projekte einbringen.

Kommissionierungs-Roboter

Wie gut so eine Zusammenarbeit funktionieren kann, konnten wir beim Logistik-Kongress 2016 in Berlin an einigen Beispielen feststellen.

Das Startup Magazino etwa entwickelt und baut wahrnehmungsgesteuerte, mobile Roboter für die Intralogistik. Über 2D- und 3D-Kameras können einzelne Objekte im Regal identifiziert und lokalisiert, gegriffen und präzise an ihrem Bestimmungsort wieder abgelegt werden. Zusammen mit dem Logistik-Partner FIEGE wurde ein Projekt umgesetzt, in dem drei sogenannte TORU Cube Roboter online bestellte Schuhe kommissionieren und dabei unabhängig vom Menschen arbeiten.

Autonome Fahrzeuge im Lager

Gemeinsam mit dem Menschen hingegen arbeitet das Kommissionierungs-Fahrzeug iGo neo CX 20 der Firma STILL. Es folgt dem Kommissionierer bei der Arbeit auf Schritt und Tritt und fährt je nach Wunsch autonom bis zur ersten oder zweiten Paletten-Position, so dass sich der Bediener ganz auf die Arbeit konzentrieren kann. Dabei „beobachtet“ das Fahrzeug seinen Operator per Laserscanner und Motion Tracking System und „sieht“ sozusagen die Umgebung und die Menschen. Hindernisse werden erkannt und wenn möglich entweder umfahren, oder das Gerät stoppt. Der Bediener kann außerdem frei entscheiden, ob er das Gerät manuell oder autonom einsetzen möchte.

Über weitere Beispiele autonomer Transport-Systeme haben wir in einem gesonderten Artikel berichtet.

Komplettlösung für das Warenlager

Neben Einzellösungen, sie sich auch in kleinere Warenlager schnell integrieren lassen de Einzellösungen, können auch Komplettlösungen für die smarte Logistik umgesetzt werden. Ein umfassendes Beispiel aus dem Automobilbereich wird im folgenden rund 4-minütigen Video gezeigt. Das Unternehmen swisslog automatisierte das Ersatzteillager und Verteilzentrum des Automobilzulieferers amag.

Die Hauptvorgabe für das Intralogistik-Konzept war: Das gestiegene Auftragsvolumen sollte innerhalb eines kürzeren Zeitfensters und ohne zusätzliches Personal abgewickelt werden.

Die Intralogistik-Lösung umfasst neben der Lagerverwaltungssoftware auch noch folgende Komponenten: automatische Förderanlagen, ein Hochregal-Lager für Paletten, ein automatisches Kleinteilelager, ein Transportsystem für Behälter sowie fahrerlose Transportfahrzeuge.

Die im Video angesprochenen Vorteile: Durch die Automatisierung der Transportwege konnte die Warendurchlaufzeit um 20 bis 30 Prozent optimiert werden. Das Unternehmen ist in der Lage, Werkstätten bis zu zweimal täglich zu beliefern.

Smarte Logistik und Wearables

Doch nicht nur Roboter, Transportsysteme und autonome Fahrzeuge, auch Wearables können den Mitarbeitern im Lager helfen, Arbeitsabläufe zu optimieren und effizienter zu gestalten. Etwa Head-Mounted Displays oder Brillen mit Augmented-Reality-Funktion. Bei der „erweiterten Realität“ überlagert die Wearable-Technik die reale Sicht des Trägers mit Informationen oder Anweisungen. Auch darüber haben wir in einem gesonderten Artikel ausführlich berichtet. 

Dank dieser technischen Möglichkeiten haben die Mitarbeiter im Warenlager die Hände frei. Und es sind noch weitere Vorteile denkbar: Dank der Assistenzsysteme können Aufgaben nicht nur effizienter ausgeführt werden, sondern neue Mitarbeiter können schneller selbstständig Tätigkeiten erfüllen. Und auch ältere Arbeitnehmer oder solche mit verschiedenen Muttersprachen können einfacher in den Arbeitsablauf integriert werden.

Smart genug für die Smarte Logistik?

Nur noch ein kleiner Gag zum Schluss, mit dem Sie testen können, ob Sie die Smarte Logistik beherrschen. Nämlich dann, wenn es darum geht, das Weihnachtspäckchen schnell und sicher in Santas Geschenkesack zu befördern. Dieser Link bringt Sie zum Santatracker von Google.

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