Das Listening-Center bei der Rheinischen Post Mediengruppe ist ein innovatives Recherchetool vor allem für Lokaljournalisten.

Die IW-Smartphone-Story: Das Listening-Center bei der Rheinischen Post Mediengruppe

Im Rahmen unseres Digital-Magazins 09:59 gibt es ein neues Format: Die IW-Smartphone-Reportage. Dabei handelt es sich um eine Videoreportage, die ausschließlich mit dem Mobiltelefon gedreht wurde. Das Thema der ersten Ausgabe: Das gerade dieser Tage mit dem Innovationspreis ausgezeichnete Recherche-Tool „Listening Center“ der Rheinische Post Mediengruppe.

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Bei der Auswahl des Premierenthemas hatte IW-Chefredakteur und -Smartphone-Reporter Christian Spanik einen guten Riecher: Denn noch am Abend der Erstausstrahlung unseres neuen Formats erhielt das vorgestellte „Listening Center“ den Innovationspreis NOVA des BDZV (Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger). In der Sendung drückte Christian noch die Daumen für die mittlerweile erfolge Verleihung.

Das Listening-Center bei der Rheinischen Post Mediengruppe ist ein innovatives Recherchetool vor allem für Lokaljournalisten.
Das Listening-Center bei der Rheinischen Post Mediengruppe ist ein innovatives Recherchetool vor allem für Lokaljournalisten.

Nicht nur die Jury des BDZV war von dem innovativen Recherchewerkzeug begeistert: Ein Algorithmus durchsucht in Echtzeit 40 Millionen Quellen, soziale Netzwerke, Foren und Nachrichtenseiten und zeigt lokale und regionale Themen an, die Widerhall im Netz finden. Dieser „Themenradar“ ist als Werkzeug und Dienstleistung vor allem für die Lokalredakteure der Rheinischen Post Mediengruppe gedacht. Sie können (müssen aber nicht) den Input des Listening Centers in der Themenplanung für ihre lokalen Ausgaben nutzen.

Recherchetool durchsucht das Internet in Echtzeit nach relevanten Themen

Daniel Fiene, Leiter Digitalstrategie der Rheinischen Post Mediengruppe, erklärt das Konzept: „Menschen nutzen unterschiedliche Informationsquellen. Das Listening-Center soll dies auch Journalisten ermöglichen.“ Die Idee hatten sich die RP-Macher bei einigen größeren Unternehmen geholt, die das Netz mit digitaler Technik vor allem nach Signalen durchsuchten, in denen ihre Produkte eine Rolle spielten. Sogenanntes Social-Media-Monitoring dient zum Beispiel als Vorwarn-System bei technischen Problemen mit einem Produkt, Netzausfällen und dergleichen mehr. Im Falle des Listening-Centers wird nur nicht nach Marken, sondern nach Themen gesucht.

Daniel Fiene, Leiter Digitalstrategie bei der Rheinischen Post Mediengruppe: „Alle Kollegen sollen unser Recherchetool nutzen."
Daniel Fiene, Leiter Digitalstrategie bei der Rheinischen Post Mediengruppe: „Alle Kollegen sollen unser Recherchetool nutzen.“

Michael Broecker, Chefredakteur der Mediengruppe, erklärt die Motivation: „Als Journalisten laufen wir wie alle Menschen Gefahr, dass unsere eigenen Milieus und unsere eigenen Freundeskreise, eben unsere Filterblasen, Maßstab von Debatten werden. Mit dem Listening-Center streben wir deshalb auch eine Veränderung der redaktionellen Kultur an.“ Das Werkzeug solle neue Chancen bieten statt Zwang darzustellen – die Lokalredakteure sind aufgerufen, das „Tool mitzudenken, es als Informationsquelle zu nutzen“. Es gebe aber keine Kontroll- oder Sanktionsmechanismens. „Wenn es die Kollegen ernst nehmen, freut mich das. Und wenn die Algorithmen spannende Themen identifizieren, sollte jeder Journalist zumindest erklären können, warum er diese trotzdem als nicht relevant eingeschätzt hat.“

Michael Broecker, Chefredakteur bei der Rheinische Post Mediengruppe: „Das Listening Center ist Chance statt Zwang. Ich freue mich über jeden Kollegen, der es ernst nimmt."
Michael Broecker, Chefredakteur bei der Rheinische Post Mediengruppe: „Das Listening Center ist Chance statt Zwang. Ich freue mich über jeden Kollegen, der es ernst nimmt.“

Listening-Center konzentriert sich auf Lokales

Der Fokus des Werkzeugs liege klar auf regionalen Themen. Mit 25 Lokalredaktionen sei Lokales eine klare Kernkompetenz bei der Rheinischen Post Mediengruppe.

Und gerade Lokalredaktionen seien ja auch personell am Anschlag. „Es ist extrem schwierig, da alles mitzubekommen, überall dabei zu sein. Es ist nun mal so: wenn in einer kleinen Stadtredaktion zwei oder drei Redakteure sind, dann können die nicht alle Themen im Blick haben“,  konstatiert Michael Broecker. Weil diese Redaktionen einige Termine nicht wahrnehmen können, nicht alle Gruppen und Milieus im Blick halten können, braucht es Unterstützung. Und darum denkt Broecker, dass das Listening-Center ihnen vielleicht Themen aufzeigt, die man sonst übersehen hätte.

Daniel Fiene berichtet, wie gut das funktioniert: „Ein Beispiel war der AfD-Wahlkampf hier im Land. Da waren wir die ersten, die darüber berichteten, dass in der AfD der Co-Landes-Chef in NRW gestürzt werden sollte.“ Gerade die AfD mache ja weniger traditionelle Pressearbeit. Aber dort trägt man viele Dinge in kleinen Nischen des Netzes doch irgendwie öffentlich aus. Durch das Listening-Center bekam die Rheinische Post die Geschichte des möglichen Sturzes als Erster mit. Und konnte schnell nachrecherchieren und dann darüber berichten.

Auch kaufmännisch war die Einführung des Tools ein großes Investment, wie Chefredakteur Michael Broecker betont. Das Budget genehmigt zu bekommen, war nicht einfach. Der Begriff „betteln“ fällt im Interview.  Aber letztlich hat es geklappt. „Da ist es schon wichtig, dass das Listening-Center mehr ist als nur ein teurer Bildschirm in der Redaktion“, führt Daniel Fiene weiter aus. Die Resultate, die bereits mit dem seit Mitte 2017 in Betrieb befindlichen Werkzeug erzielt wurden, überzeugen aber auf der ganzen Linie.

Übrigens: hier findet sich der Link zu LinkedIn – der Platz an dem diese Sendung immer zuerst und exklusiv erscheint:

 

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