Forscher und Entwickler ackern für Smarte Landwirtschaft

Aufmacherbild: (C) Intelligente Welt

Das Bild oben zeigt keinen Rennboliden, sondern einen „Acker-Boliden“. Oder besser gesagt eine mögliche Arbeitsmaschine auf dem digitalen Bauernhof der Zukunft. Doch das ist nur einer von unzähligen Zukunftsausblicken. Forscher und Entwickler sind intensiv dran – am Thema Landwirt 4.0. Darum waren wir unterwegs und haben mit Fachleuten aus der Branche besprochen, wo es hingeht in Sachen digitale Landwirtschaft. Anlässlich der Grünen Woche haben wir hier eine kleine Sammlung an Expertenmeinungen und Videos zum Thema zusammengetragen.

Eine Station waren natürlich Landwirtschaftsmessen. Dort trafen wir Experten zu Interviews im Studio. Und während Christian Spanik seine Gäste im Studio begrüßte und neben längeren Interviews auch kurze Statements direkt per Handyvideo-Statements machen (1 von 1)Handykamera aufnahm, hat sich Redakteur Michael Kloss an diversen Messeständen über aktuelle Trends informiert. Seine ersten Eindrücke zum Beispiel auf der Agritechnica: Teilweise wird technologisch wieder ein bisschen zurückgefahren, denn zum Beispiel die Displays landwirtschaftlicher Maschinen waren für ihre Fahrer manchmal schon etwas überfrachtet. Außerdem: Viele Hersteller in diesem Bereich setzen auf zunehmende Standardisierung etwa in Form des „ISO-Busses“, damit auch Komponenten unterschiedlicher Anbieter optimal miteinander kommunizieren und arbeiten können.

Transparenz am Bauernhof

Vor welche Herausforderungen die digitalen Möglichkeiten Landwirte stellen, wenn Kunden plötzlich bis in den Stall schauen und die Lieferkette eines Produktes bis zum Hof zurückverfolgen können, damit hat sich Kai Schleyerbach, Senior Research Consultant und Team Leader Crop Production Research bei produkt + markt, beschäftigt. Er beschäftigt sich mit Marktforschung und Marketing-Beratung für Unternehmen und Institutionen des Agribusiness. Wir sprachen mit ihm über das Thema „Überwachung und Vermarktung – Neue Einflussmöglichkeiten auf die Lieferkette durch Kunden in der Landwirtschaft“. Seine These: In der Lieferkette ergeben sich neue Potenziale für Transparenz. Landwirte und Verbraucher müssen aber viel Engagement aufbringen, um daraus Nutzen zu ziehen.

Wobei Kai Schleyerbach nicht der Ansicht ist, dass jeder Landwirt pauschal transparent werden und alles, was er macht, unbedingt online stellen muss Vielmehr sollten sich Landwirte ihre Betriebe genau anschauen und überlegen, in welchen Bereichen der Einsatz digitaler Technik und Lösungen Sinn macht. Etwa, um Lieferketten nachvollziehbar zu machen, oder bei geeigneten Produkten die direkte Kommunikation mit dem Kunden zu suchen.

Auch wenn ein Landwirt seine Produkte über den Lebensmittelhandel verkauft, trägt Transparenz laut Schleyerbach zum positiven Image der Landwirtschaft bei. Denn der Landwirt kann selbst aktiv werden, um Vertrauen und Glaubwürdigkeit beim Verbraucher aufbauen.

Precision Farming

Bei Precision Farming geht es um die Optimierung landwirtschaftlicher Prozesse. Um dies zu erreichen, kommen verschiedenste Sensoren zum Einsatz, smarte Landmaschinen und Satellitentechnik. Die Automatisierung bringt Effizienzgewinne und zahlt sich auch finanziell aus. Wir haben für das folgende Video in den vergangenen Monaten darüber mit Experten gesprochen und auch einen Landwirt besucht, der Digitalisierung in der Landwirtschaft großschreibt.

Auch mit Clemens Delatrée, Geschäftsführer der green spin GmbH, sprachen wir über das Thema „Der Digitale Bauer – wie digitale Anwendungen den modernen Landwirt unterstützen.” Er stellte uns Interview Delatre (1 von 1)mofato vor: „modern farmer’s tool“, ein web-basiertes Werkzeug zur Unterstützung des modernen Landwirts zur Nutzung von Big-Data -Analysen. Es ermöglicht dem Landwirt, beim Ackerbau teilflächen-spezifisch vorzugehen. Unter Teilflächen versteht man Zonen innerhalb eines Feldes, die ähnlich beschaffen sind. So kann man etwa im Pflanzenbau Düngemittel einsparen, ein homogeneres Pflanzenwachstum erreichen und insgesamt das Ertragsniveau anheben.

Chancen und Herausforderungen

Satellitentechnik und Präzisionslandwirtschaft waren auch zwei der Schwerpunkte des Gesprächs mit Ministerialrat Dr. Bernhard Polten vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) . Konkret wollten wir von ihm wissen: Wem gehören die Daten? Polten ist davon überzeugt, dass sie dem Bauern gehören und dieser auch die Kontrolle darüber haben muss. Das bedeutet, dass er sie freiwillig weitergeben kann, wenn er das möchte, sich aber niemand ohne seine Erlaubnis einfach an den Daten bedienen darf:

Auch das Thema Ausbildung kam zur Sprache. Haben wir überhaupt Ausbildungsmöglichkeiten für Fähigkeiten, die in Zukunft gefragt sind? Und ist die Ausbildung der Landwirte bereit für die Digitalisierung? Hier sieht Polten zwar neue Chancen, macht aber auch deutlich, dass es in Bezug auf die Ausbildung der Landwirte in der Zukunft noch einiges zu tun gibt:

Das folgende Video beschäftigt sich mit den Herausforderungen und Chancen, die die neuen Technologien für die Landwirtschaft mit sich bringen. Der Landwirt 4.0 setzt auf Hightech und sogar auf Unterstützung aus dem Weltall. Die in diesem Beispiel aus Deutschland stammende Technologie nutzt Mikroelektronik, Satellitentechnik und Steuerungssysteme, um einen Traktor autonom fahren zu lassen. Der Fahrer greift nur noch im Notfall ein. Wir finden: Der folgende Film ist zwar ein bisschen werbig, aber trotzdem interessant:

Einen etwas kritischeren, journalistischen Blick auf das Thema „Landwirtschaft der Zukunft“  wirft das folgende Video. Wenn etwa ein Computerprogramm den Futterbedarf von Rindern berechnet und Sensoren bestimmen, wie viel Düngung die Pflanzen brauchen, ergeben sich daraus dennoch kritische Fragen. Zum Beispiel: Sind, in einer Welt, in der viele Verbraucher der Massentierhaltung und der Intensivlandwirtschaft misstrauen, Bezeichnungen wie Precision Farming vielleicht einfach nur neue Werbebegriffe, um mit Nachhaltigkeits-Themen das eigene Image aufzupolieren?

Und wen das Thema selbst-fahrender Traktor besonders interessiert, dem sei noch der folgende kleine, flotte Film empfohlen. Er hat zwar das Ziel, Investoren zu finden – gibt aber dennoch einen guten Überblick über den Entwicklungsstand in diesem Bereich:

Von Drohnen und Tracking

Über andere kleine effektive Helfer in der Landwirtschaft – nämlich unbemannte Luftfahrzeuge – sprachen wir mit Dipl.-Geogr. Dirk Schmidt, Geschäftsführer der DIALOGIS UG. Er sagt: Flugroboter können dank hochgenauer Ortung nicht nur sehr exakt Daten über den Zustand von Agrarflächen aufnehmen, sondern auch positionsgenau Material wie Saatgut oder Dünger auf diesen Flächen ausbringen. Weitere Vorteile sieht Schmidt daran, dass etwa bei der Schädlingsbekämpfung berührungslos gearbeitet werden kann. Das heißt, die Pflanzen werden nicht beschädigt und der Boden nicht verdichtet. Die Ausbringung per Drohne erfolgt zudem auch schneller.

Zum Themenbereich „Digital und Tier“ (etwa Tracking oder Geo-Fencing) durften wir Elmar Nieswand, Director Dairy Health & Farm Management, GEA Farm Technologies GmbH, als Gast begrüßen. Seiner Ansicht nach ist das Thema Tracking von Tieren sowohl für große Betriebe als auch für kleinere Landwirte interessant. Für die Großen mit hohem Viehbestand etwa, weil der Landwirt sonst kaum mehr den Überblick über jedes einzelne Tier behalten kann. Und bei den Kleinen, die ebenfalls immer stärker auf Automatisierung setzen, ergibt sich so die Möglichkeit, über Sensoren an relevante Daten zu gelangen – etwa über Bewegungsmuster, Wasser- und Futterbedarf oder Sozialverhalten der Tiere.

Visionen und Fazit

Nachdem die Interviews im Studio alle aufgezeichnet waren, hat sich Christian Spanik auch selbst noch mal auf den Weg gemacht. Ein Fahrsimulator für komplexe Landmaschinen – der nicht nur den Blick nach vorne und hinten zeigt, sondern auch rüttelt und schüttelt, je nachdem wie der Fahrer fährt – hatte es ihm besonders angetan. Eine tolle Technik, vor allem, wenn man die echten riesigen und teuren Maschinen lieber nicht zu Schrott fahren will. Aber die eigentliche Frage, die sich Christian sich bei dieser „Probefahrt“ stellte, war: Ist das vielleicht die Vorstufe dazu, dass Landwirte schon in naher Zukunft ihren Traktor oder Mähdrescher von zu Hause aus über ihre Feld steuern… ?

Eine Vision davon, wie Technologie das Thema Landwirtschaft in der Zukunft verändern könnte, zeigt auch ein Video aus dem Jahr 2012 vom Hersteller John Deere. Hier kann der Bauer sogar vom Schreibtisch aus die Abläufe in seinem Betrieb organisieren und seine Maschinen steuern. Der Film ist zwar englisch – aber wie wir finden, gut verständlich und auf jeden Fall beeindruckend:

Und zu guter Letzt noch unser Fazit nach einem langen Tag mit vielen Experten und Eindrücken: Im Bereich digitale Landwirtschaft ist jede Menge in Bewegung gekommen. Dennoch steht die Digitalisierung in diesem Bereich eher noch am Anfang. Darum sollten gerade Landwirte ganz genau hinschauen, bevor sie sich für vermeintlich zukunftsträchtige Lösungen entscheiden:

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