Digitale Arbeitswelten Quelle: Pixabay / geralt

Digitale Arbeitswelten – es betrifft uns alle

Aufmacherbild: (C) Geralt via PixabayPublic Domain

Neben dem Laptop stehen noch drei weitere Monitore am Arbeitsplatz. Die aktuellen Projekte befinden sich auf Platten, dem Server oder in der Cloud. Ob Artikel oder Filme – die Produkte die hier erstellt werden kann man großteils im Internet konsumieren. „Die Medienbranche hat den digitalen Wandel der Arbeit inzwischen weitgehend vollzogen.“ So steht es zu lesen in der Foresight-Studie „Digitale Arbeitswelt“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Aus persönlicher Sicht kann man sagen: Stimmt. Doch wie viele weitere digitale Arbeitswelten umgeben uns, ohne dass es derart offensichtlich ist?

Ja – digitale Arbeitswelten. Die Mehrzahl in unserem Titel ist ganz bewusst gewählt. Denn die Arbeitswelt etwa eines Mediziners unterscheidet sich doch erheblich von der eines Berufskraftfahrers. Ebenso wie die eines Landwirts von der eines Medien-Schaffenden. Dennoch hat in all diesen Arbeitswelten die Digitalisierung zu einem mehr oder weniger hohen Grad schon deutlich ihren Einzug gehalten. Und die Reise geht unaufhaltsam weiter.

Digitale Arbeitswelten, die Erste: Logistik

Nehmen wir den klassischen Berufskraftfahrer. Früher: Der Kapitän der Landstraße. Einen LKW lenken können, das war die Hauptsache. Lernten viele bei der Bundeswehr und hatten später einen sicheren Job. Die Logistik der Zukunft hingegen benötigt gut ausgebildete Fachkräfte, die sich auch mit Technik und Organisation befassen. Und dann kommen noch Themen wie Vernetzung, Wearables oder hochautomatisiertes Fahren auf die Damen und Herren hinterm Steuer zu. Wie begeistert sie davon sein werden, wenn statt Fahrtenschreiber plötzlich viele kleine Sensoren und vernetzte Systeme diverse Daten sammeln und weiterleiten, bleibt abzuwarten. Welche Aspekte die Branche sonst noch bewegt, haben wir auch im Beitrag zu unserer Sondersendung zum Thema Ausbildung in der Logistik schon einmal angeschnitten.

In der Fahrerkabine des Iveco Z Truck

Ein eindrucksvolles Beispiel wie der mobile Arbeitsplatz eines Berufskraftfahrers in Zukunft aussehen könnte, lieferte Iveco mit der Design-Studie Z Truck. Z steht dabei für Zero, also Null. Null Emissionen, null Stress, null Unfälle – das ist die Vision. Vor allem beeindruckt beim Z Truck das Innenleben. Das futuristische Cockpit bietet mehr als die klassische Fahrerkabine. Intuitive Systeme sollen den Fahrer bei all seinen Funktionen und Tätigkeiten unterstützen. Statt Rückspiegel gibt es Monitore ohne Gefahr des toten Winkels. Via Head-up-Display werden relevante Informationen direkt auf die Windschutzscheibe und damit bequem ins Sichtfeld des Fahrers projiziert. Einen kurzen Einblick gibt der folgende Video-Ausschnitt.

Iveco Z Truck - Digitale Arbeitswelten

Digitale Arbeitswelten, die Zweite: Landwirtschaft

Wir steigen um auf ein anderes Fahrzeug. Vom LKW auf den Traktor. Oder zuerst lieber auf den Fahrsimulator für schwere landwirtschaftliche Maschinen? Gibt’s nämlich längst. Zu Ausbildungszwecken kann man da erst mal virtuell den Umgang mit großen Fahrzeugen und das Handling komplexer Situationen üben bevor man sich real auf dem Acker zu schaffen macht.

Ja, auch in der Landwirtschaft hat die Digitalisierung Einzug gehalten. Sie beginnt bei neuen Chancen der Vermarktung und Ansprache des Kunden und reicht über soziale Medien bis hin zu Themen wie Precision Farming, Big Data und Geofencing. Da freut man sich doch fast, dass beim Begriff Spargelthermometer schon auf den ersten Blick klar zu sein scheint, worum es sich handelt. Wie wichtig das Thema Digitalisierung im Agrar- und Food-Bereich in der Branche gehandelt wird, haben wir in einem ausführlichen Artikel aus Anlass des Kongresses „Farm & Food 4.0“ dargelegt.

Digitale Arbeitswelten, die Dritte: Medizin

Die Entwicklung und den Einsatz von Robotern im Bereich der Medizin haben wir auch in unserem vorherigen Themenspecial schon beleuchtet. Gerade der DaVinci macht aktuell wieder Schlagzeilen. Wobei dieser „Roboter“ nicht eigenständig arbeitet, sondern den Operateur bei komplexen Eingriffen unterstützt. Für die Ärzte von morgen werden solche digitalen Assistenten im Operationssaal wohl chirurgischer Alltag sein. „Im Jahr 2025 werden die meisten chirurgischen Eingriffe, die heute minimalinvasiv vorgenommen werden, mit der Hilfe von Robotern erfolgen“, prognostiziert etwa Jonas Busch, leitender Oberarzt der Urologie an der Charité in Berlin-Mitte, in einem Artikel der Berliner Zeitung. 

Natürlich braucht es nicht immer gleich einen Roboter, um sich digital unterstützen zu lassen. Eindrucksvolle Beispiele für den Einsatz von Telemedizin in Deutschland zeigen, dass auch relativ einfache und günstige Lösungen gute und vor allem schnelle Resultate erzielen. In einem früheren Artikel haben wir etwa PädExpert vorgestellt, eine Art „medizinisches Skype“ mit integriertem Anamnese-Formular das den Kontakt zwischen Kinder-Fachärzten herstellt.

Handwerk, Dienstleistungen, Industrie, …

Ob in der Fabrik oder in der Autowerkstatt, in der Hotellerie oder im Buchhandel – die Digitalisierung verändert unzählige Arbeitswelten. Und während sich der Begriff Industrie 4.0 in den vergangenen Jahren etabliert hat, spricht die Politik nun von „Arbeiten 4.0“. Welche Herausforderungen dabei zu bewältigen sein werden ist unter anderem Thema in der Stellungnahme zum diesbezüglichen Dialogprozess der SPD. Zwei Auszüge daraus: 

  • Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg (IAB) kam in seinem Forschungsbericht 8/2015 zum Ergebnis, dass bis zum Jahr 2025 etwa 490.000 bestehende Arbeitsplätze wegfallen und schätzungsweise 430.000 neu entstehen werden.

  • Die Digitalisierung der Arbeit und die zunehmende Vernetzung der Arbeitsprozesse bedeuteten auch, dass sämtliche Schritte von Mensch und Maschine speicherbar und damit kontrollierbar werden.

Ob neue Berufsbilder, Qualifizierungsmaßnahmen, Arbeitsrecht oder soziale Aspekte – die Digitalisierung der Arbeitswelt hat Einfluss auf unzählige Bereiche unseres Lebens. Und: Sie ist definitiv in vollem Gange.

 

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